by Friedrich von Matthisson (1761 - 1831)

Beruhigung
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): FRE
Wo durch dunkle Buchengänge
Blasser Vollmondschimmer blinkt,
Wo um schroffe Felsenhänge
Sich die Epheuranke schlingt,
Wo aus halbverfallnem Turme
Ein verlassnes Bäumchen ragt,
Und emporgescheucht vom Sturme,
Schauervoll die Eule klagt.

Wo um sterbende Gesträuche
Sich der graue Nebel dehnt,
Wo im trüben Erlenteiche
Trübes Rohr im Winde tönt,
Wo in wild verwachsnen Gründen
Dumpf der Waldstrom wiederhallt,
Und, ein Spiel den Abendwinden,
Welkes Laub auf Gräber wallt.

Wo im bleichen Sternenscheine
Um den frühverlornen Freund
Einsam im Zypressenhaine
Hoffnungslose Sehnsucht weint:
Da, da wandelt, von den Spielen
Angestaunter Torheit fern,
Unter ahndenden Gefühlen,
Schwermut, dein Vertrauter gern!

Da erfüllt ein stilles Sehnen
Nach des Grabes Ruh sein Herz,
Da ergießt in heißen Tränen
Sich der Seele banger Schmerz,
Und sein Blick durchschaut die trübe
Zukunft, ruhig bis ans Grab,
Und es tönt: Gott ist die Liebe!
Jeder Stern auf ihn herab.

Confirmed with Friedich Matthissons Gedichte, herausgegeben von Gottfried Bölsim - Band I : Die Gedichte von 1776- 1794, Tübingen, 1912; Band II : Die Gedichte von 1795-1831, Tübingen, 1913.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , title 1: "Apaisement", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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