Ich seh' dich endlich wieder
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Ich seh' dich endlich wieder,
Du süßes Heimathland,
Du Hütte, still und nieder,
Wo meine Wiege stand.
 
Kommt ihr mir denn entgegen,
Ihr Leute allzumal?
Es drängt sich auf den Wegen
Und unten wogt das Thal.
 
Horch, Glockenklänge schlagen
So trauernd an mein Ohr,
Die dumpfen Töne klagen,
Daß wer was Lieb's verlor.
 
Und schwarze Träger wallen
Den Mühlensteg heran,
Und in dem Zug vor Allen
Ein tief betrübter Mann.
 
O haltet ein, Gestalten,
Die ihr die Leiche kennt,
Laßt mich die Hüll' entfalten,
Bevor ihr mir sie nennt.
 
Die Tücher sind gewichen,
Ob's eine Ahnung war?--
O weh! mein Lieb verblichen,
Doch schön noch immerdar.
 
Setzt nur die Leiche nieder,
Ist's hier auch nicht am Ort,
Und hebt ihr auf sie wieder,
So tragt ihr Zweie fort.
 
Laß deine Hand mich fassen,
Nun trennt uns kein Verbot:
Dich küssen -- und erblassen --
Giebt's einen schön'ren Tod?! --

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Confirmed with Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz, 100. Blatt (Mittwoch den 23. Juni) 1824, page 495


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2016-10-23
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