by Helene von Engelhardt (1850 - 1910)

Frühlingsmorgen
Language: German (Deutsch) 
Küßt das Licht den jungen Morgen,
Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt, 
Hei, wie wandert sich's da lustig 
Durch die die grüne Waldesstatt! 

Tönt so hell der Quelle Rauschen, 
Lacht das Grün so zauberisch, 
Pocht das Herz in trunkner Wonne, 
Klingt das Liedel jung und frisch!  

Küßt das Licht den jungen Morgen, 
Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt, 
Traun, da mag ich's nimmer glauben, 
Daß das Leben Schmerzen hat. 

Lacht mir so die weite Erde 
In des Lenzes Blumenflor, 
Kommt mir Herzeleid und Trübsinn 
Wie ein böses Märchen vor.  

Tausend Blüten seh' ich sprossen, 
Und da denk' ich so dabei, 
Ob die Blume meines Glückes 
Denn nicht auch zu finden sei. 

Die auch muß so frei erblühen 
Unter Sturm und Sonnenschein, 
Darf kein mattes Topfgewächse, 
Keine Treibhauspflanze sein. 

Was doch so die Menschenseele 
Wunderliche Träume hat, 
Küßt das Licht den jungen Morgen, 
Fällt der Thau auf Blüt' und Blatt!  

Confirmed with Deutsche Lyrik seit Goethe's Tode, neue Ausgabe, zwöfte, verbesserte Auflage, ed. by Maximilian Bern, Leipzig: Philipp Reclam jun., 1878, page 108.


Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Melanie Trumbull

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