by Karl Friedrich von Gerok (1815 - 1890)

Kindergottesdienst
Language: German (Deutsch) 
   Matth. 21, 16.
   Aus dem Munde der Unmündigen 
   hast du dir ein Lob zugerichtet.

Es läuten zur Kirche die Glocken, 
Die Eltern, die gingen schon aus, 
Drei Kindlein in goldenen Locken 
Die sitzen noch unter dem Haus.

Die muntern unmüßigen Gäste 
Sind noch für die Kirche zu klein, 
Doch wollen am heiligen Feste 
Sie fromm wie die Alten schon sein.

Hat jedes ein Buch sich genommen 
Und hält es verkehrt auf dem Schoß, 
Draus singen die Schelme, die frommen, 
Mit schallender Stimme drauf los.

Weiß selber noch keins, was es singet, 
Singt jedes in anderem Ton; 
Singt immer, ihr Kindlein, es dringet 
Auch so zu dem himmlischen Thron.

Dort stehen eure Engel, die reinen, 
Und singen dem Vater der Welt, 
Der stets aus dem Munde der Kleinen 
Am liebsten sein Los sich stellt.

Singt immer; da drüben im Garten, 
Da singts in die Wette mit euch; 
Die Vöglein sind es, die zarten, 
Die zwitschern im jungen Gesträuch.

Singt immer; ihr singet im Glauben 
Das ist ja dem Heiland genug, 
Ein Herz ohne Falsch wie die Tauben 
Nimmt frühe gen Himmel den Flug.

Singt immer; wir singen, die Alten, 
Und lesen die Schrift mit Verstand, 
Und doch, ach! wie hundertmal halten 
Das Buch wir verkehrt in der Hand!

Singt immer; wir singen die Lieder 
Nach Noten, so wie sichs gehört, 
Und doch – vom Gezänke der Brüder 
Wie oft wird der Einklang gestört!

Singt immer; aus irdischen Hallen 
Der hehrste und herrlichste Chor, 
Was ist er? ein kindisches Lallen, 
Ein Hauch in des Ewigen Ohr!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Bertram Kottmann

This text was added to the website: 2016-08-06
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