by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872)

Ei, über die verderbte Zeit!
Language: German (Deutsch) 
"Ei, über die verderbte Zeit!
Verderbte böse Welt!
Da sitzt sie nun und macht sich breit,
Und thut was ihr gefällt! 

"Läßt immer nur zum Fenster 'naus
Die losen Augen gehn,
Und solltest doch nach Hof und Haus
Wie and're Dirnen sehn. 

"Das bischen Jugend im Gesicht,
Das macht dich nicht zur Frau;
Drum nach den Junggesellen nicht,
Nach Küch' und Keller schau." 

So spricht die Mutter oft und schmält,
Ich aber weine still:
Denn ach, sie weiß nicht, was mir fehlt,
Sie weiß nicht, was ich will. 

Wohl viele Leute gehn vorbei
Und schaun mir in's Gesicht,
Die Burschen grüßen frank und frei,
Ich aber seh' es nicht. 

Ich seh' nur dich, o dich allein,
Den meine Seele liebt,
In Sonnenlicht, in Mondenschein,
Hellglänzned, ungebrübt! 

Was will doch all' die bunte Lust,
Was will die eitle Welt,
So lang dein Bild in tiefster Brust
Mein Herz gefangen hält!

About the headline (FAQ)

Confirmed with Gedichte von R. E. Prutz, zweite Auflage, Leipzig: Otto Wigand, 1844. Appears in Balladen und Romanzen, in Am Fenster, no. 3, pages 50 - 51.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-01-28
Line count: 28
Word count: 149