Sehnsucht
Language: German (Deutsch) 
Wehmut, die mich hüllt,
Welche Gottheit stillt
Mein unendlich Sehnen!
Die ihr meine Wimpern näßt,
Namenlosen Gram entpreßt,
Fließet, fließet Thränen!

Mond, der lieb und traut
In mein Fenster schaut,
Sage, was mir fehle?
Sterne, die ihr droben blinkt,
Holden Gruß mir freundlich winkt,
Nennt mir, was mich quäle!

Leise Schauer wehn,
Süßes Liebeflehn
Girrt um mich im Düstern.
Rosen und Violenduft
Würzen rings die Zauberluft,
Holde Stimmen flüstern.

In die Ferne strebt,
Wie auf Flügeln schwebt
Mein erhöhtes Wesen.
Fremder Zug, geheime Kraft,
Namenlose Leidenschaft,
Laß, ach laß genesen!

Aengstender beklemmt
Mich die Wehmut, hemmt
Athem mir und Rede.
Einsam schmachten, o der Pein!
O des Grams, allein zu seyn
In des Lebens Oede!

Ist denn, ach, kein Arm
Der in Freud und Harm
Liebend mich umschlöße?
Ist denn, ach, kein fühlend Herz,
Keines, drinn in Lust und Schmerz
Meines sich ergöße?

Die ihr einsam klagt,
Einsam wenn es tagt,
Einsam wenn es nachtet,
Ungetröstet, ach, verächzt
Ihr das holde Daseyn, lechzt,
Schmachtet und verschmachtet.

Confirmed with Kosegarten's Dichtungen. Siebenter Band. Lyrischer Gedichte Siebentes, achtes, neuntes Buch. Greifswald, gedruckt beym Königl. Directeur J.H. Eckhardt. 1813, pages 13-15.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

Text added to the website: 2017-06-07 00:00:00
Last modified: 2017-06-07 07:32:48
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