by Johann Peter Uz (1720 - 1796)

Die Liebesgötter
Language: German (Deutsch) 
Cypris, meiner Phyllis gleich,
Saß von Grazien umgeben.
Denn ich sah ihr frölich Reich,
Und um sie den Zephyr schweben.
Ein geweihter Myrtenwald,
Welchen hohe Schatten schwärzten,
War der Göttinn Aufenthalt,
Wo die Liebesgötter scherzten.

Viele giengen Paar bey Paar:
Andre sungen, die ich kannte,
Deren Auge schalkhaft war
Und voll schlauer Wollust brannte.
Viele flogen rüstig aus,
Mit dem Bogen in der Rechten.
Viele waren nicht zu Haus:
Weil sie bey Lyäen zechten.

Der voll blöder Unschuld schien,
Herrschet auf den Schäferauen.
Feuerreich, verschwiegen, kühn
Sah der Liebling junger Frauen.
Doch ermüdet hingekrümmt,
Schlief der Liebesgott der Ehen;
Und Cythere, sehr ergrimmt,
Hieß ihn auch zu Bacchus gehen.

Wo der Busch am dicksten ist,
Sah ich sie am liebsten schleichen;
Und sie lockten oft mit List
Junge Nymphen zu den Sträuchen.
Viele, deren leichten Fuß
Venus nicht gefesselt hätte;
Flatterten von Kuß zu Kuß,
Von der Blonden zur Brunette.

Kleine Götter, voller List,
Deren Pfeil kein Herz verfehlet,
Und vom Necktar trunken ist,
Ob er gleich die Thoren quälet:
Bleibt, ach! bleibt noch lange Zeit,
Meine Jugend froh zu machen.
Ehe Schnee mein Haupt bestreut,
Wünsch ich unter euch zu lachen.

Confirmed with Lyrische Gedichte. Berlin, bey Johann Jacob Weitbrecht, 1749, pages 46-47.

This is the first version of the poem, anonymously published by Johann Peter Uz.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-07-04
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