Die Knabenzeit
Language: German (Deutsch) 
Wie glücklich, wem das Knabenkleid
Noch um die Schultern fliegt,
Wem lächelnde Zufriedenheit
Den jungen Busen wiegt.

Der Kräusel, und das Steckenpferd,
Auf dem er herrisch sitzt,
Das hölzerne Husarenschwert
Belustigen ihn itzt.

Den Ball, des Knaben Busenfreund,
Der durch die Lüfte rollt,
Sobald der Blumenmond erscheint,
Vertauscht' er nicht um Gold.

Nie mahlt der Harm, die Pest der Welt,
Sein blühendes Gesicht,
Als wenn sein Ball ins Waßer fällt,
Als wenn sein Schwert zerbricht.

Er hüpfet oft, vom Schweiße naß,
Den halben Sommertag,
Im Garten, durch das bunte Graß,
Den Schmetterlingen nach.

So spielt er, bis das Mittagsbrodt
Ihn in die Stube winkt,
Und tändelt, bis das Abendroth
Durch Silberwolken blinkt.

Vergnügen hüpft um ihn herum,
Wenn Morpheus Mohn verstreut,
Er tanzet in Elisium,
Beglückte Knabenzeit!

Confirmed with Ludwig Christoph Heinrich Hölty's Sämtliche Werke kritisch und chronologisch herausgegeben von Wilhelm Michael, Erster Band, Weimar, Gesellschaft der Bibliophilen, 1914, page 38.

This is the original version of the poem from Hölty's manuscript. It has first been published in 1804 in a heavily reworked version by Johann Heinrich Voß; see below.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert, G. Wichtl.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-07-25
Line count: 28
Word count: 127