Des Fremdlings Abendlied
Language: German (Deutsch) 
Ich komme vom Gebirge her,
Die Dämm'rung liegt auf Wald und Meer;
Ich schaue nach dem Abendstern,
Die Heimath ist so fern, so fern.

Es spannt die Nacht ihr blaues Zelt
Hoch über Gottes weite Welt,
Die Welt so voll, und ich allein,
Die Welt so groß und ich so klein.

Sie wohnen unten Haus bei Haus,
Und gehen friedlich ein und aus;
Doch ach, des Fremdlings Wanderstab
Geht landhinauf und landhinab.

Es scheint in manches liebe Thal
Der Morgen- und der Abend-Strahl,
Ich wandle still und wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer: wo?

Die Sonne dünkt mich matt und kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt,
Und was sie reden, tauber Schall,
Ich bin ein Fremdling überall.

Wo bist du, mein gelobtes Land,
Gesucht, geahnt und nie gekannt?
Das Land, das Land so hoffnunggrün,
Das Land, wo meine Rosen blüh'n?

Wo meine Träume wandeln gehn,
Wo meine Todten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
Und alles hat, was mir gebricht?

Ich übersinne Zeit und Raum,
Ich frage leise Blum' und Baum;
Es bringt die Luft den Hauch zurück:
»Da, wo du nicht bist, ist das Glück.«

Confirmed with Guirlanden. Herausgegeben von W. G. Becker. Drittes Bändchen. Leipzig bei Johann, Friedrich Gleditsch. 1813, pages 117-119; and with Lieder von Schmidt von Lübeck. Herausgegeben von H. C. Schumacher, Professor der Astronomie, R.v.D. Altona, bey J. F. Hammerich. 1821, pages 65-66.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Anselm Hüttenbrenner, Daniel Friedrich Rudolph Kuhlau, Franz Peter Schubert, Johann Xaver Sterkel, Karl Friedrich Zelter.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

Text added to the website: 2017-08-06 00:00:00
Last modified: 2017-08-06 06:47:05
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