by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872)

Die Liebste wünscht
Language: German (Deutsch) 
Im Arm dir [möcht']1 ich hangen,
Hinaus gehn über Feld,
Wenn, noch von Nacht umfangen,  
Im Schlummer liegt die Welt;
Still ist's auf Flur und Wegen,
Nicht regt sich allerwärts,
Es pocht mit lauten Schlägen
Der Schöpfung ew'ges Herz. 

Möcht' stehn mit dir und lauschen,
Andächtig, athemlos,
Der Quellen heimlich Rauschen
Tief in der Erde Schoos; 
Das Lüftchen hört' ich säuseln,
Das dir die Wange küßt,
Und säh' den Bach sich kräuseln,
Der über Blumen fließt.  

Und tausend Stimmen schweben
Süßflüsternd durch die Nacht  -- 
O Herz, wer hat dies Leben, 
Dies ew'ge, angefacht? 
Wohin ich auch mich wende,
Der Welle gleich in Meer,
Dies Wogen sonder Ende,
O Lieber, sprich, woher? 

Es ist derselbe Meister,
Der alles dies erschuf,
Der Herzen auch und Geister
Erweckt auf seinen Ruf;
Die dieses Weltgetriebe
In sicherm Gang erhält, 
Es ist dieselbe Liebe,
Die uns den Busen schwellt. 

Von deinem Arm umfangen
In stiller Mitternacht,
Gelehnt an deine Wangen,
Von deinem Aug' bewacht:
Hinaus wohl möcht' ich treten
Ins dämmernde Gefild,
Und möchte mit dir beten  -- 
Du weißt ja, wem es gilt!

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Confirmed with Robert Prutz, Aus der Heimat: Neue Gedichte, Leipzig: F. A. Brockhaus, 1858. Appears in Zweite Liebe, pages 98 - 100.

1 Esser: "mögt'"; further changes may exist not shown above.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-02-05
Line count: 40
Word count: 178