by Anonymous / Unidentified Author

Am Strande bei Scheveningen
Language: German (Deutsch) 
Es schäumt das Meer; an seinen Ufern branden
die Sturmbewegten Wellen hin und her,
und manche Schiffe seh' ich geh'n und landen,
und kreuzen in die Läng' und die Queer.

Frei strömt die Luft; doch ich, in harten Banden,
ich staune trüb und träum'risch in das Meer;
denn ach! wie viele Schiffe sich auch nahen,
sie bringen nicht, was heiss ich möcht' umfahen.

Und trügerisch und spottend flieh'n die Wogen,
sie hören nicht auf meinen Schmerzenslaut:
ist keine Botschaft wohl euch zugeflogen
von meinem Lieben, die ihr dort erschaut?

Sie hören nicht, sie sind vorbeigezogen.
Schon naht der Abend, und die Dämmrung graut;
und in der Fluth verbirgt sich tief die Sonne;
ein Licht nur glänzt und spendet bitt're Wonne.

Die Geister Ossian's sind mir zur Seite,
Malvina stimmt den alten Harfenton,
und sanft und lieblich klingt es in die Weite,
und mildert rings der nahen Stürme Droh'n.

So sei es sie, die mich zur Ruh' geleite,
in meiner Seele auch wird's Abend schon;
und wie die Sterne tröstend nieder blinken
fühl' ich die müden Augenlider sinken.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Andrew Schneider [Guest Editor]

This text was added to the website: 2018-06-24
Line count: 24
Word count: 177