by Adolf Katsch (1813 - 1906)

Der Schwarzdornstab
Language: German (Deutsch) 
Die Sonne scheinet hell und heiß, 
Da spricht der Schnee, da ruft das Eis: 
"Wir ruhten g'nug auf Thal und Höh'n, 
Komm, komm, wir wollen weiter gehn 
Und wandern!" 

Der Bach, der lang' im Schlummer lag, 
Warf seine Decke ab und sprach: 
"Steh auf, steh auf, du lust'ge Well', 
Der Schlaf ist aus, wir wollen schnell 
Nun wandern!" 

Das Knösplein lauscht mit offnem Ohr; 
Es drängt die grüne Saat empor; 
Manch Blümlein kommt in lichtem Schein: 
Sie wollen alle Zeugen sein 
Beim Wandern. 

Am Schwarzdorn, unterm grünen Hag, 
Ein junger Bursch im Schatten lag: 
Der Schwarzdorn flüstert:  "Wär' ich du, 
Mir ließe weder Rast noch Ruh 
Das Wandern! 

Steh auf, steh auf, du fauler Knab', 
Schneid dir von mir den Wanderstab, 
Wir wollen beide, treugesellt, 
Hinausziehn in die weite Welt 
Und wandern!"  

Manch Jahr schon ziehen kreuz und quer 
Die Beiden in der Welt umher. 
Und möcht' der Bursche gern nach Haus, 
Der Schwarzdorn spricht:  "Da wird nichts draus: 
Wir wandern!"

Confirmed with Neuer deutscher Parnass, ed. by Max Moltke, Leipzig: Carl Rühle, 1882, pages 160 - 161.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-06-20
Line count: 30
Word count: 161