Wanderlieder. Lieder-Cyclus von A. Katsch, für Bariton mit Begleitung des Pianoforte

Song Cycle by (Eduard) Ludwig Liebe (1819 - 1900)

Word count: 372

1. Der Schwarzdornstab [sung text not yet checked]

Die Sonne scheinet hell und heiß, 
Da spricht der Schnee, da ruft das Eis: 
"Wir ruhten g'nug auf Thal und Höh'n, 
Komm, komm, wir wollen weiter gehn 
Und wandern!" 

Der Bach, der lang' im Schlummer lag, 
Warf seine Decke ab und sprach: 
"Steh auf, steh auf, du lust'ge Well', 
Der Schlaf ist aus, wir wollen schnell 
Nun wandern!" 

Das Knösplein lauscht mit offnem Ohr; 
Es drängt die grüne Saat empor; 
Manch Blümlein kommt in lichtem Schein: 
Sie wollen alle Zeugen sein 
Beim Wandern. 

Am Schwarzdorn, unterm grünen Hag, 
Ein junger Bursch im Schatten lag: 
Der Schwarzdorn flüstert:  "Wär' ich du, 
Mir ließe weder Rast noch Ruh 
Das Wandern! 

Steh auf, steh auf, du fauler Knab', 
Schneid dir von mir den Wanderstab, 
Wir wollen beide, treugesellt, 
Hinausziehn in die weite Welt 
Und wandern!"  

Manch Jahr schon ziehen kreuz und quer 
Die Beiden in der Welt umher. 
Und möcht' der Bursche gern nach Haus, 
Der Schwarzdorn spricht:  "Da wird nichts draus: 
Wir wandern!"

Authorship

Confirmed with Neuer deutscher Parnass, ed. by Max Moltke, Leipzig: Carl Rühle, 1882, pages 160 - 161.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

4. In dem Winkel hinter'm Ofen [sung text checked 1 time]

In dem Winkel hinter'm Ofen, 
Wenn kein Späherblick gelauscht, 
Hat's von heißen Liebesküßen 
Gar verstohlen oft gerauscht. 
O wie traurig, daß ein Winter 
Doch nicht ewig dauern will! 
In dem Winkel hinter'm Ofen 
Ward es längst von Küßen still. 

Um die Ostern mußt' ich wandern, 
Ach, wie macht das Wandern Schmerz, 
Wenn im Winkel hinter'm Ofen 
Bei der Liebsten bleibt das Herz! 
O wie seltsam, daß auf Erden 
Mir kein Plätzchen lieber ist, 
Als der Winkel hinter'm Ofen 
Wo so oft wir uns geküßt! 

Hunderttausend schöne Mädchen 
Sah ich in der Fremde drauß, 
Aber schöner auch nicht Eines, 
Als mein Lieb im stillen Haus. 
O wie lustig ist das Wandern, 
Führt der Weg zu ihr zurück ... 
In dem Winkel hinter'm Ofen 
Harren Lieb' und Kuß und Glück. 

Authorship

Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

5. Der Blumenstrauß [sung text not yet checked]

Als ich schied von meinem Mädchen 
Steckte sie mir fromm und gut 
Einen Strauß Vergißmeinnichte
Weinend an den Reisehut. 
Seine Blümlein sind verwelket, 
Seine Blätter sind verdorrt, 
Und der Sturm nahm Blatt und Blüten 
Eines nach dem Andern fort. 

Heut riß auch das letzte Stielchen 
Mir der Wind vom Hute ab, 
Eben heute, wo zur Heimkehr 
Ich den Schritt gewendet hab'. 
Ei, das ist ein glücklich Zeichen: 
Fort das welke Reis vom Hut, 
Während unverwelkt im Herzen 
Noch der frische Strauß mir ruht. 

Authorship

Confirmed with Neuer deutscher Parnass, ed. by Max Moltke, Leipzig: Carl Rühle, 1882, page 166.


Researcher for this text: Melanie Trumbull