Unsterblichkeit
Language: German (Deutsch) 
Er sprach's!  und hervor aus der Tief' und der Nacht 
Entsprangen die Ordnungen alle, 
Vom Wurme des Sumpfs bis zum ersten Äon, 
Vom Staube der Luft bis zur Sonne. 
Unendlichkeit schied 
Vom Raum sich und Zeit, 
Und von der Verwesung des Leben. 

O du, die sich in mir ein Leben begreift, 
Und staunt, dass sie ist; und sich ahndet: 
Du ahndest Unsterblichkeit, Seele!  Dein Traum 
Ist Lispel geheimern Erwachens. 
Nicht wirst du, mein Geist, 
Ein Hauch, der verweht, 
Dess leb' ich und sterb' ich!  verwehen.  

Wenn Erde zertrümmert und Sonne zerrinnt, 
Und Staub sich versammelt zu Staube, 
Unsterbliche, schwingst du dich über das Grab: 
Was Nacht war, wird Tag  --  und Erwachen! 
Was Nacht war wird Tag; 
Dem Schlummer vermählt 
Sich Nacht, das Erwachen dem Tage.  

Sieh auf!  Es entschwebet der Wagen des Lichts 
Mit seinen geflügelten Rossen 
Dem spähenden Blick ins Verborgne hinab, 
Von Wogen der Meere verschlungen: 
Am Morgen der Nacht 
Steigt purpurner auf 
Zur Veste die Fürstin des Tages. 

Confirmed with Heinrich Wilhelm von Gerstenberg, Sämmtliche poetische Schriften, dritter Theil, erste vollständige Ausgabe, Wien: F. A. Schräml, 1794, pages 185 - 186. Appears in Vermischte Gedichte.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-08-26
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