by Aloys Wilhelm Schreiber (1761 - 1841)

Maria und das Milchmädchen
Language: German (Deutsch) 
Maria kam auf ihrer Flucht'gen Mittag in ein ödes Tal,
Da war kein Baum mit Laub und Frucht,
der Rasen dürr, die Felsen kahl,
Und sengend fiel der Mittagsstrahl.

Es schmachten Kind und Mutter sehr,
Sie schaut nach einem Quell umher,
Jedoch umsonst, kein Quell, kein Tau
Tränkt dieses Tal, so nachkt und rauh.

Das schmerzt die Frau der Lieb' und Huld,
Das Knäblein trug es mit Geduld.
Jetzt kommt ein Mägdlein wohl gemut
Mit Milch daher, ein junges Blut,
Zwar gelb und häßlich von Gesicht,
Doch klingt gar lieblich, was es spricht.

Es nimmt herab den Topf geschwind
Und bietet ihn der Jungfrau an
Und freut sich, daß es geben kann:
»Heil, Mutter, dir! Und dreimal Glück dir und dem Kind!

Ich trüg' es gern
nur einen einz'gen Augenblick;
So schön ist nicht
Der Morgenstern!«

Die Mutter legt von ihrer Brust
Den Knaben in des Mägdleins Arm;
Die Maid ihn herzt mit frommer Lust,
Sie küßt sein Mündlein, rot und warm,
Und wünscht der Mutter nochmals Glück!
Und geht und blickt noch oft zurück.

Und als sie kommt mit frohem Sinn zu ihrer Hütte still und klein,
Da tritt sie an den Brunnen fein
Und wäscht von Staub das Antlitz rein.

Jedoch ein fremdes schönes Bild
Strahlt aus dem Wasser klar und mild.
Sie teilt das Wasser mit der Hand,
Das Bild kommt wieder, wie's verschwand,
Sie lacht es an, es lacht sie an,
Sie ist es selbst, es ist kein Wahn.

Vom Kuß des Knäbchens kam alsbald
Ihr diese himmlishce Gestalt.
Doch quillt ihr in dem Busen auch
Ein Sehnen, wie beim Frühlingshauch,
Und Alles ist ihr fremd, als wär
Die Erd' nicht ihre Heimat' mehr!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

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