by Nelly Sachs (1891 - 1970)
Welt, frage nicht die Todentrissenen
Language: German (Deutsch)
Welt, frage nicht die Todentrissenen wohin sie gehen, sie gehen immer ihrem Grabe zu. Das Pflaster der fremden Stadt war nicht für die Musik von Flüchtlingsschritten gelegt worden -- Die Fenster der Häuser, die eine Erdenzeit spiegeln mit den wandernden Gabentischen der Bilderbuchhimmel -- wurden nicht für Augen geschliffen die den Schrecken an der Quelle tranken. Welt, die Falte ihres Lächelns hat ihnen ein starkes Eisen ausgebrannt; sie möchten so gerne zu dir kommen um deiner Schönheit wegen, aber wer heimatlos ist, dem welken alle Wege wie Schnittblumen hin -- Aber es ist uns in der Fremde eine Freundin geworden: die Abendsonne. Eingesegnet von ihrem Marterlicht sind wir geladen zu ihr zu kommen mit unserer Trauer, die neben uns geht: Ein Psalm der Nacht.
Text Authorship:
- by Nelly Sachs (1891 - 1970) [author's text not yet checked against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Helmut Bornefeld (1906 - 1990), "Welt, frage nicht die Todentrissenen", BoWV 101 (1965) [ soprano and organ ], from Psalm der Nacht nach Texten von Nelly Sachs, no. 4 [sung text checked 1 time]
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
This text was added to the website: 2024-03-04
Line count: 24
Word count: 121