by Johann Ludwig Uhland (1787 - 1862)
Des Sängers Wiederkehr
Language: German (Deutsch)
Dort liegt der Sänger auf der Bahre, Des bleicher Mund kein Lied beginnt, Es kränzen Daphnes falbe Haare Die Stirne, die nichts mehr ersinnt. Man legt zu ihm in schmucken Rollen Die letzten Lieder, die er sang;[145] Die Leier, die so hell erschollen, Liegt ihm in Armen sonder Klang. So schlummert er den tiefen Schlummer. Sein Lied umweht noch jedes Ohr, Doch nährt es stets den herben Kummer, Daß man den Herrlichen verlor. Wohl Monden, Jahre sind verschwunden, Zypressen wuchsen um sein Grab; Die seinen Tod so herb empfunden, Sie sanken alle selbst hinab. Doch wie der Frühling wiederkehret Mit frischer Kraft und Regsamkeit So wandelt jetzt, verjüngt, verkläret, Der Sänger in der neuen Zeit. Er ist den Lebenden vereinet, Vom Hauch des Grabes keine Spur! Die Vorwelt, die ihn tot gemeinet, Lebt selbst in seinem Liede nur.
Confirmed with Ludwig Uhland, Werke. Band 1, München, 1980, pages 145-146.
Text Authorship:
- by Johann Ludwig Uhland (1787 - 1862), "Des Sängers Wiederkehr" [author's text checked 1 time against a primary source]
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Bernhard Ernst Scholz (1835 - 1916), "Des Sängers Wiederkehr", op. 17, published 1864 [ chorus and woodwinds ], Berlin, Simrock [sung text not yet checked]
Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
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