by ? Thiel
Die Flügel
Language: German (Deutsch)
Ein Tor grämt' sich einst vor Begier, dass er nicht wie ein Vogel hier die Luft durchfliegen konnte! Warum, spricht er, bin ich gebannt an Erde nur, an Moor und Sand? Ach, wer sich droben sonnte! Er hört von jenem Ikarus und hebt schon freudig Hand und Fuß, doch geht's nicht von der Stelle. Nun freilich, Dädals kühner Sohn war durch die Luft der Haft entfloh'n, doch fiel er in die Welle. Was grämst du dich, du Erdenkloß? Nie ringst du dich vom Staube los! so hört er's mahnend tönen. Wie Pegasus ein Flügelpaar, auch du hast sie, doch unsichtbar; erfüllt wird wohl dein Sehnen. Die Geistesschwingen rege nur, und du schwebst über Berg und Flur zu Äthers reinen Höhen. Zum Himmel selbst steigst du empor, vernimmst der Geister heilig Chor, ja, fühlst der Gottheit Wehen. Begeist'rung leih' die Flügel dir, du trinkest Seligkeit schon hier aus reiner Dichterquelle. Und was die Seele dir durchdrang, das ströme aus in Hochgesang; solch Lied weiht uns're Schwelle.
Text Authorship:
Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):
- by Heinrich (Ludwig Egmont) Dorn (1804 - 1892), "Die Flügel", op. 55 no. 3, published 1848 [ vocal quartet for male voices ], from 5 Liedertafel-Gesänge für 4 Männerstimmen, no. 3, Mainz, Schott [sung text checked 1 time]
Researcher for this page: Johann Winkler
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