Ihr Freunde, es sei uns ein würdiges Ziel, einander das Laben zu würzen. Das Leben ist ernst, und der Mühen sind viel, der Frohsinn nur kann sie verkürzen. So reiche denn jeder dem andern die Hand, hier sei jeder Ernst, jede Sorge verbannt, auf dass in dem neuen Vereine nur Freude und Frohsinn erscheine. Soll dieser frohe Festverein die neue Liedertafel sein? Ein traulich Gespräch und ein fröhliches Mahl, das würzt und verschönert die Stunden, und kreist unter Freunden der volle Pokal, ist leicht jede Sorge verschwunden. Doch nur, wo Gesang sich der Freude vereint, die heitere Muse beim Becher erscheint, da wird erst der Mensch sich erheben, da wird ihm das Leben zum Leben. Das Glas zur Hand, vollgeschenkt bis zum Rand, hebt es hoch, stoßet an, juble, wer jubeln kann! Was uns das Herz erfreut, heit're Geselligkeit, frei von des Lebens Drang, Wein, Frohsinn und Gesang, das soll der neue Verein, das die Liedertafel sein! Hurra! Segen dem neuen Verein!
5 Liedertafel-Gesänge für 4 Männerstimmen, op. 55
by Heinrich (Ludwig Egmont) Dorn (1804 - 1892)
1. Zur Eröffnung eier Liedertafel
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Wilhelm August Wohlbrück (c1794 - 1861)
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Researcher for this page: Johann Winkler2. Der Liedertafel Dauer
Language: German (Deutsch)
Wirst du besteh'n, du trauter Bund der Lieder? Wird Unbestand mit mächt'ger Hand die froh sich hier vereinten, trennen wieder? Du wirst besteh'n! Nicht eitle Pracht der Töne, nicht Künstelei, von Seele frei; uns reizt an dem Gesang das ewig Schöne. D'rum wird besteh'n der traute Bund der Lieder, sich frisch erneu'n in Sanges Reih'n. und jedes Jahr ersteht verjüngt er wieder. Und heißt es dann für uns'rer Brüder einen: Hinab, hinab: Wir steh'n am Grab, auch dort die Feierstimmen zu vereinen. Es gilt, was hier die Herzen froh durchdrungen, auf lichten Höh'n, wo Palmen weh'n, wo jeder Erdenton einst ist verklungen. Wohlan, so reicht einander froh die Hände! Das Glas empor, voll tön' der Chor, dass nimmer Sang und Freude hier uns ende!
Text Authorship:
- by ? Grave
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Researcher for this page: Johann Winkler3. Die Flügel
Language: German (Deutsch)
Ein Tor grämt' sich einst vor Begier, dass er nicht wie ein Vogel hier die Luft durchfliegen konnte! Warum, spricht er, bin ich gebannt an Erde nur, an Moor und Sand? Ach, wer sich droben sonnte! Er hört von jenem Ikarus und hebt schon freudig Hand und Fuß, doch geht's nicht von der Stelle. Nun freilich, Dädals kühner Sohn war durch die Luft der Haft entfloh'n, doch fiel er in die Welle. Was grämst du dich, du Erdenkloß? Nie ringst du dich vom Staube los! so hört er's mahnend tönen. Wie Pegasus ein Flügelpaar, auch du hast sie, doch unsichtbar; erfüllt wird wohl dein Sehnen. Die Geistesschwingen rege nur, und du schwebst über Berg und Flur zu Äthers reinen Höhen. Zum Himmel selbst steigst du empor, vernimmst der Geister heilig Chor, ja, fühlst der Gottheit Wehen. Begeist'rung leih' die Flügel dir, du trinkest Seligkeit schon hier aus reiner Dichterquelle. Und was die Seele dir durchdrang, das ströme aus in Hochgesang; solch Lied weiht uns're Schwelle.
Text Authorship:
- by ? Thiel
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Researcher for this page: Johann Winkler4. Wasser
Language: German (Deutsch)
1.
"Freunde sagt was wollt ihr trinken?"
Wein! Wein! Wein!
"Soll der Knecht nach Wasser hinken?"
Wein! Wein! Wein!
Laß das Wasser Wasser bleiben,
Laß es gehn und Mühlen treiben,
Laß es in den Wüstenein
Trost den Karavanen sein,
Laß die Hügel es beregnen
Daß sie uns mit Trauben segnen,
Laß es seine stolzen Wellen
Bis hinauf zum Himmel schwellen,
Laß es große Schiffe schwingen,
Die den Wein von Ferne bringen,
Laß in alle Land es laufen
Und damit die Heiden taufen;
Wasser soll belobet sein,
Doch wir - trinken Wein Wein Wein!
2.
"Nun, so nennt mir eure Sorte."
Wein! Wein! Wein!
"Nennt die Berge, nennt die Orte."
Wein! Wein! Wein!
Bring du nur vom allerbesten,
Der erfreut bei allen Festen;
Wenn der Trunk uns wohlbehagt,
Wird der Name bald erfragt.
Nur der echte ist der rechte,
All der andre ist der schlechte.
Bring uns solchen der uns stärket,
Den das Herz im Leibe merket!-
Bring uns solchen der uns hebet
Daß die Seel' ins Freie schwebet,
Daß der Plunder dieser Erde
Recht von ihr verlachet werde.
Laß den Namen Namen sein,
O bring' her nur Wein, Wein, Wein!
3.
"Aber Gläser oder Becher?"
Wein! Wein! Wein!
"Oder Humpen, werthe Zecher?"
Wein! Wein! Wein!
Schenk ihn ein in was ihn fasset,
Was in Menschenlippen passet.
Blanke Becher blinken schön,
Gläser geben gut Getön.
Läßt der Wein sich sonst nicht lumpen,
Schmeckt er aus den größten Humpen;
Auch bei Muscheln oder Hörnern
Liegen Trinker nicht auf Dörnern,
Was du hast gieb ohne Prahlen,
Wär es auch in Kürbisschalen ;
Fehlt das all, so schenk am Ende
Ihn in beide hohle Hände.
oder gleich ins Maul hinein!
O schenk' ein nur Wein, Wein, Wein!
Text Authorship:
- by August Kopisch (1799 - 1853), "Drei Fragen und drei Antworten", written 1839
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Gary Bachlund) , "Water and wine", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
5. Rheinische Zecher
Language: German (Deutsch)
Am Vater Rheine lebt ein Mann, o hört die selt'ne Kunde, wie's keinen zweiten geben kann auf unser'm Erdenrunde. Der löst die Lippen nimmermehr von seinem Römerglase; er schenkt es voll, er trinkt es leer, als wär's nur so zum Spaße. Nun höret weiter, was noch mehr am Vater Rhein passieret: Den selt'nen Mann, den dürstet sehr, so lang' er Flaschen spüret. Und erst nach jedem neuen Pfropf wird's wohler ihm beim Glase, da wird ihm heller erst der Kopf und dunkler seine Nase. Auch rühmt man laut von diesem Mann, dass er trotz langem Tranke doch immer aufrecht stehen kann und nie benebelt wanke. Und geht er endlich still und stumm von seinem letzten Glase, so kehrt er gern noch einmal um schon mitten auf der Straße. Doch glaubt ihr, dies sei Fabula, zieht hin zum Vater Rheine! Der Mann, der sitzt noch immer da beim allerbesten Weine. Und wer ihn dort nicht ausgespürt, der greif' zu seinem Glase und zupfe sich ganz ungeniert an seiner eig'nen Nase!
Text Authorship:
- possibly by Otto Inkermann (1823 - 1862), as C. O. Sternau
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Note: Dorn's score attributes the text to "O. Sternau".
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