by Aloys Wilhelm Schreiber (1761 - 1841)

Von der Heimath wollt' ich fliehen
Language: German (Deutsch) 
Von der Heimath wollt' ich fliehen, 
Wußte nicht, woher, wohin!  
In die Fremde wollt' ich ziehen, 
Seltsam lag es mir im Sinn. 

Heiter geht es in die Ferne, 
Ist der Abschied nur vorbei, 
Und des Himmels schöne Sterne 
Folgen uns so still und treu. 

Wie das Vögelchen die Flügel 
Lustig unter Blumen schlägt, 
Schritt ich über Thal und Hügel, 
Fröhlich in der Brust bewegt.  

Gastlich lud der Baum den Müden 
Unter seiner Blätter Dach, 
Sträuche schickte ihre Blüthen 
Scherzen zur Begleitung nach.  

Blümlein riefen mir entgegen: 
Jüngling, komm', und weile hier! 
Und bei Nacht und Sturm und Regen 
Fand ich eine offne Thür. 

Aber nimmer durft' ich weilen 
Bei der Freude, bei dem Glück, 
Vorwärts muß der Wandrer eilen, 
Kehret auch sein Wunsch zurück.  

Einst am Wege, unter Weiden, 
Sah' ich eine holde Maid!  
Weinend rief sie:  Schweres Scheiden, 
Trennung, Trennung, herbes Leid!  

Und ich dacht' an Ida's Thränen, 
An ihr letztes Abschiedswort, 
Und es zog ein schmerzlich Sehnen 
Mich zur Heimath wieder fort. 

Mich vom Glücke zu entfernen 
War ich eitlen Wahns bemüht, 
In der Fremde mußt' ich lernen, 
Daß es nur im Herzen blüht. 

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Confirmed with Cornelia. Taschenbuch für deutsche Frauen, dritter Jahrgang, ed. by Aloys Schreiber, Heidelberg: Joseph Engelmann, 1818, pages 147 - 148.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-11-11
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