Der Pilger am See
Language: German (Deutsch) 
Du lächelst aus der Felsenwiege, 
Geheimnißvoller Alpensee, 
Und weckst durch deine holden Züge 
Zu neuer Qual das alte Weh.  

Was soll dein liebesüßes Werben, 
Das mich im Wellenschlag umrauscht? 
Ich weiß es ja, daß nur Verderben 
In deinen kühlen Armen lauscht. 

So blickten ihre lieben Augen, 
So himmelspiegelnd  --  blau und klar! 
Der Brust die Seele zu entsaugen, 
Dir ihr nun folgt unwandelbar. 

Drum irr' ich nun  --  von ihr geschieden --
Von meinem Selbst  --  durch Schicksalshohn, 
Hier ohne Leben, ohne Frieden, 
Den Schemen gleich am Acheron.   

O singet, silberne Sylphiden, 
Im lispelnden Sirenenchor 
Dem Sehnsuchtskranken  --  Lebensmüden 
Die eigene Geschichte vor!  

Ich kann den Schmerzenszug verstehen,
Der bang durch euren Wohllaut bebt, 
Ich habe selber diese Wehen,   
Die Seligkeiten selbst erlebt.  

Confirmed with Franz von Schober, Gedichte, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1842, pages 32 - 33.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-04-16
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