Du lächelst aus der Felsenwiege, Geheimnißvoller Alpensee, Und weckst durch deine holden Züge Zu neuer Qual das alte Weh. Was soll dein liebesüßes Werben, Das mich im Wellenschlag umrauscht? Ich weiß es ja, daß nur Verderben In deinen kühlen Armen lauscht. So blickten ihre lieben Augen, So himmelspiegelnd -- blau und klar! Der Brust die Seele zu entsaugen, Dir ihr nun folgt unwandelbar. Drum irr' ich nun -- von ihr geschieden -- Von meinem Selbst -- durch Schicksalshohn, Hier ohne Leben, ohne Frieden, Dem Schemen gleich am Acheron. O singet, silberne Sylphiden, Im lispelnden Sirenenchor Dem Sehnsuchtskranken -- Lebensmüden Die eigene Geschichte vor! Ich kann den Schmerzenszug verstehen, Der bang durch euren Wohllaut bebt, Ich habe selber diese Wehen, Die Seligkeiten selbst erlebt.
Sechs Lieder , opus 7
by Walther von Goethe (1818 - 1885)
Translations available for the entire opus: ENG
1. Der Pilger am See
Text Authorship:
- by Franz Adolf Friedrich von Schober (1796 - 1882), "Der Pilger am See", appears in Gedichte
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- ENG English (Sharon Krebs) , "The pilgrim at the lake", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
2. Stirb, Lieb' und Freud!
Zu Augsburg steht ein hohes Haus, Nah bei dem alten Dom, Da tritt an hellem Morgen aus Ein Mägdelein gar fromm; Gesang erschallt, Zum Dome wallt Die liebe Gestalt. Dort vor Marie heilig' Bild Sie betend niederkniet, Der Himmel hat ihr Herz erfüllt, Und alle Weltlust flieht: "O Jungfrau rein! Laß mich allein Dein eigen seyn!" Alsbald der Glocke dumpfer Klang Die Betenden erweckt, Das Mägdlein wallt die Hall' entlang, Es weiß nicht, was es trägt; Am Haupte ganz Von Himmelsglanz Einen Liljenkranz. Mit Staunen sehen all' die Leut' Dieß Kränzlein licht im Haar, Das Mägdlein aber wallt nicht weit, Tritt vor den Hochaltar: "Zur Nonne weiht "Mich arme Maid! "Stirb, Lieb' und Freud'!" Gott, gib, daß dieses Mägdelein Ihr Kränzlein friedlich trag', Es ist die Allerliebste mein, Bleibt's bis zum jüngsten Tag. Sie weiß es nicht, Mein Herz zerbricht, Stirb, Lieb' und Licht!
Text Authorship:
- by Justinus (Andreas Christian) Kerner (1786 - 1862), "Stirb, Lieb' und Freud'!", appears in Gedichte, in Die lyrischen Gedichte
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- CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Moriu amor i joia!", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
- CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Moriu amor i joia!", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
- DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Sterf, liefde, jij!", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
- ENG English (Emily Ezust) , "In Augsburg stands a lofty house", copyright ©
- ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
- ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Estinguiti, amore e gioia", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
3. Liebesgruss
Wallet, Wasser, schnell, Schimmert Perlen gleich, Meiner Liebe Hauch Schwebe über euch; Schwebe über euch Sanft wie Maienluft, Hülle Wald und Flur Ein in blauen Duft. Und im blauen Duft, Und im Sonnenstrahl Meinen Liebesgruß Ruschet durch das Thal. Rauschet durch das Thal Süße Ahnung hin, Daß er freudig fühlt, Daß ich nahe bin.
Text Authorship:
- by Eduard Vogt (1814 - 1880), "Liebesgruß"
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- ENG English (Sharon Krebs) , "Greeting of love", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
4. Heimweh
O nimm' mich wieder, Mutter Erde, Nimm' wieder mich in deinen Schooß -- Ich will nicht wissen, was ich werde, Mach' mich nur von der Bürde los! Warum hast du mich denn gestossen In diese dunkle Nacht hinaus? Ich habe wenige Freud genossen, Zur Mutter will das Kind nach Haus. Du hast mir keinen Kranz gewunden, Hast nicht mit Lächeln mich beglückt, Mit Schmerzen hab' ich nur empfunden, Daß du im Zorn' mich fortgeschickt. Ein Trauern war mein ganzes Leben, Ein langgehalt'ner Schmerzenston -- Hast du auch Liebe mir gegeben, Die Mutter fehlte stets dem Sohn. Drum nimm' mich nun in deine Arme, In deinen Schooß so sanft und lind, Daß ich an deiner Brust erwarme Und schlumm're als dein liebes Kind. Ich will im Bettchen ruhig liegen Und schauen nur dein Angesicht, Will an dein Herz mich selig schmiegen Und weinen will ich, Mutter, nicht.
Text Authorship:
- by Eduard Vogt (1814 - 1880), "Heimweh"
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- ENG English (Sharon Krebs) , "Homesickness", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
Confirmed with Eduard Vogt, Gedichte, Stuttgart: Hallberger'sche Verlagshandlung, 1839, pages 108-109.
5. Des Hammerschmieds Liebe
Es steht ein Haus im finstern Schacht, Die Werke rasseln Tag und Nacht, Der Waldbach braust, Der Blasbalg saust, Der Hammer schallt, die Eisen glüh'n Und hohe Flammen mich umglüh'n. Im Thale drunten still und klein, Da wohnt des Müllers Töchterlein -- Sie küsst mich nie, Die Ann'marie, Sie meint, Schwarz passe nicht zu Weiß -- Wenn Schwarz nicht wär', wie wär' denn Weiß? Wenn Nacht und Tag sich eng verflicht, Gibt's nicht ein güld'nes Dämmerlicht? Kann Schön'res sein Als Morgenschein? O Ann'marie! du weißt es nicht, Wie Farbe sich an Farbe bricht. Sähst du am Ambos hier bei mir, Die schönen Flammen zeigt' ich dir -- Sie hat die Nacht Zu Tag gebracht, Und sähst du mich im Flammenmeer Sagt'st nicht, daß ich so häßlich wär'. Oft sitz' ich da im stillen Traum, Und hör' um mich das Tosen kaum, Wie Hammer schallt, Und Kohle knallt, Und aus den Funken graus und wild Setz' ich zusammen mir dein Bild. Da faßt's mich an wie Fieberschau'r -- Verflogen ist die stumme Trau'r -- Die Werke los! Hei! Stoß auf Stoß! Die Flamme schlägt zum Ofen 'raus Die Funken sprüh'n zum Schlot hinaus. Die Erde dröhnt vom Hammerschlag -- Dringt's nicht in deinen Gartenhag? Denkst du an mich, Wie ich an dich? O Ann'marie, hörst du denn nicht Wie Hammerschmiede lauter spricht?
Text Authorship:
- by Eduard Vogt (1814 - 1880), "Des Hammerschmieds Liebe"
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- ENG English (Sharon Krebs) , "The blacksmith's love", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
6. Der Klostergarten
Im stillen Klostergarten Fangt's wieder an zu blüh'n, Doch blicken nur weiße Rosen Hervor aus dunklem Grün. In Beeten stehen Lilien Wie neugefall'ner Schnee, Sie senken halb die Häupter, Als trügen sie ein Weh. Und in dem grünen Gange Wallt eine Nonne mild, Gehüllt in weiße Schleier, Zum Mutter-Gottes Bild. Sie kniet am Bilde nieder, Und schaut zu ihm hinauf, Und aus den Augen nehmen Zwei Thränlein ihren Lauf.
Text Authorship:
- by Eduard Vogt (1814 - 1880), "Der Klostergarten"
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- ENG English (Sharon Krebs) , "The nunnery garden", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission