Vergangenheit
Language: German (Deutsch) 
Das Herz entflieht dem Sturm der Zeit,
Der auch die Flügel dehnt,
Und lebt, wo die Vergangenheit,
vom Lächeln und vom Gram geweiht,
Sich still an Gräber lehnt.
Der Knospe Schatten deckt den Raum
wo mich das Leben fand,
Wo rauschend, wie der Woge Schaum,
Der Kindheit Bild, des Knaben Traum
Dem Glücklichen entschwand.
Ein Kranz verwelkter Rosen deckt
Das freundliche Gebiet,
Wo, von der Nachtigall geweckt,
Die erste Liebe träumt und neckt
Und Träumen gleich entflieht.
Das Immergrün der Freundschaft kränzt
Dort unverwelkt ein Grab;
Die Lücke sieht noch unergänzt
Durch die der Reiz des Himmels glänzt,
den sie dem Leben gab.
Und Grab an Grab gelehnt, verhüllt
Der Träume Feenland,
Wo einst das Sehnen ungestillt
Der Wunsch, erfüllt und unerfüllt,
Und Wahn und Gram entstand.
Des Lebens trübe Woge schäumt
Jetzt brausend um mich her;
Was ich geliebt, gehofft, geträumt,
Die Aussaat meiner Wünsche keimt
Im kalten Herbst nicht mehr.
Entflohnes Bild von Freud' und Glück,
Sei weinend mir gegrüsst!
Dich ruft der Mensch umsonst zurück,
Bis trübe sich der müde Blick
Zum Wiedersehen schliesst.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Gaitzsch

This text was added to the website: 2007-07-06
Line count: 35
Word count: 177