by Friedrich Rückert (1788 - 1866)

Mein Schatz, wir wollen spazieren gehn
Language: German (Deutsch) 
Sie
  Mein Schatz, wir wollen spazieren gehn,
Ich will die blühenden Bäume besehn,
Doch wenn ich mich soll erfrischen,
So brumme du nicht dazwischen! 

Er
 Mein Schatz, du schaust in die Wipfel hinan,
Da siehst du und hörst (und erfreuest dich dran)
Der Bienen geschäftiges Summen;
Was ärgert dich denn mein Brummen?

Sie
 Mein Schatz, ihr Summen ist süßer Erwerb,
Dein Brummen aber ist Lustverderb, 
Und dienet nicht Süßigkeiten 
Wie ihr Gesumm zu bereiten.

Er
 Mein Schatz, und ersummen sie Honigseim,
So kann ich erbrummen auch einen Reim.
Sie saugen für sich die Seime,
Ich aber für dich die Reime.

Sie
 Du sogest sie einst aus Scherz und Kuß;
Nun heut aus Unmuth und Verdruß?
Meintwegen, mein Schatz, so brumme! 
Ich halt' es für Bienengesumme.

           --------------
           Er summet:

 So lange sehn' ich dir entgegen,
So lange;
So bange harr' ich deinetwegen,
So bange!
Mir ist in der Erwartung Drange
Erwartung selbst erlegen;
Womit nun willst du, daß ich dich empfange?

 Und endlich bist du nun gekommen,
O Holde,
Wie Abendhimmel angeglommen
Mit Golde,
Wie sich die Nachtviolendolde
Erschließt unwahrgenommen;
Der Frühling haucht in deines Odems Golde.

 Darum hast du mich warten lassen,
Mein Leben,
Um überraschend mich zu fassen
Mit Beben.
Kann Säumniß Ueberraschung geben?
Der Sehnsucht Träum' erblassen,
Um in der Wonn' Erwachen zu verschweben.

About the headline (FAQ)

Confirmed with Gesammelte Gedichte von Friedrich Rückert, Fünfter Band, Erlangen, Verlag von Carl Heyder, 1838, pages 111-113.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2019-09-12
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