by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Mit vollen Athemzügen
Language: German (Deutsch) 
Mit vollen Athemzügen
Saug' ich, Natur, aus Dir
Ein schmerzliches Vergnügen.
Wie lebt,
Wie bebt,
Wie strebt
Das Herz in mir!

Freundlich begleiten
Mich Lüftlein gelinde.
Flohene Freuden
Ach, säuseln in Winde,
Fassen die bebende,
[Strebende]1 Brust.
Himmlische Zeiten!
Ach, wie so geschwinde
Dämmert und blicket
Und schwindet die Luft!

Du lachst mir, angenehmes Thal, 
Und Du, o reine Himmelssonne, 
Erfüllst seit langer Zeit zum ersten Mal 
Mein Herz mit süßer Frühlingswonne.

Weh mir! Ach, sonst war meine Seele rein,
Genoß so friedlich Deinen Segen.
Verbirg Dich, Sonne, meiner Pein! 
Verwildre Dich, Natur, und stürme mir entgegen! 

Die Winde sausen,
Die Ströme brausen, 
Die Blätter rascheln 
Dürr ab ins Thal.
Auf steiler Höhe,
Auf nackten Felsen
Lieg' ich und flehe. 
Auf öden Wegen,
Durch Sturm und Regen, 
Fühl' ich und flieh' ich
Und suche die Qual.

Wie glücklich, daß in meinem Herzen 
Sich wieder neue Hoffnung regt! 
O, wende, Liebe, diese Schmerzen,
Die meine Seele kaum erträgt! 

J. Reichardt sets stanzas 1-2

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Confirmed with Goethe's Werke nach den vorzüglichsten Quellen revidirte Ausgabe, Dritter Theil, Gedichte, herausgegeben und mit Anmerkungen begleitet von Dr. Fr. Strehlke, Berlin, Gustav Hempel, 1868, pages 75-76.

Modernized spelling would change "Athemzügen" to "Atemzügen" and "Thal" to "Tal"
1 Reichardt: "Die strebende"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

Text added to the website: 2008-06-11 00:00:00
Last modified: 2015-04-16 15:23:11
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