Abschied von Heim
Language: German (Deutsch) 
Liegt noch so traut das Haus im stillen Garten
umfriedet von dem grünen Efeuwall,
und grüßen Blüten auch, die duftig zarten,
durchs Fenster mich beim Ruf der Nachtigall.

Es treibt mich fort ins weite, ferne Land.
Wem Jugend, ist auch Wanderlust gegeben,
kein junges Herz daheim je Ruhe fand!

Es schütteln wohl ihr Haupt die guten Alten,
die schon in harten Pflichten halb erstarrt,
wir aber wollen's mit den Schwalben halten,
und schon das Rösslein vor dem Tore scharrt.

Ja, wieh're freudig, auf den stolzen Rücken
schnall ich die ganze Rechtsgelehrsamkeit,
und aller Weisheit Lorbeer will ich pflücken,
wenn nicht in Worten, so in kühnem Streit;

leb wohl, o Heim, ich kehr so bald nicht wieder,
gen Padua wir reiten wohlgemut,
dort locken, ach, so süße welsche Lieder,
dort rieselt feuergleich der Wein durchs Blut.

Doch bis die Rösslein an die Alpen kommen,
wird Halt gemacht vor manchem fremden Tor;
da wird es wohl zu gutem Willkomm frommen,
zieht man aus seidner Deck die Laute vor.

Lebt wohl! Und nun hinaus ins bunte Leben,
ihr Wolken zieht mir nach ins ferne Land,
ins Land der Weisheit und der glüh'nden Reben;
kein junges Herz daheim je Ruhe fand!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

Text added to the website: 2020-02-01 00:00:00
Last modified: 2020-02-01 19:30:33
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