Einkehr
Language: German (Deutsch) 
Wir seind der fahrenden Schüler vier,
Herr Wirt, wollt Obdach uns geben,
reicht kühlen Wein (wir danken für Bier)
und bratene Hähnlein daneben.
Der Hunger ist gar drückende Last
und müde Glieder ersehnen Rast.

Wie lockt im Becher der güldene Schein
auf einen Zug ihn zu leeren!
"Eu'r Wohl, Frau Wirtin und Töchterlein,
vom Safte der köstlichen Beeren!
Der Durst ist uns ein lästger Kumpan,
drum fort mit ihm, ihr Freunde, stoßt an!"

"Es kommen die hochgelehrten Herrn
vom deutschen Lande geritten,
will fast mir scheinen, dort sei auch gern
gut Speis und Trank gelitten!
Ich denk, ihr Herrn, eure Zeche wiegt schwer,
schon ist mein rundliches Fässlein leer!"

"Ei Wirt, seid ihr ein grober Gesell!
Wer wird ans Zahlen gemahnen?
Juckt euch etwan euer bäurisches Fell,
wir führen die Faust guter Ahnen!
Doch raten wir gütlich, füllt wieder auf
und lasset dem Hahne fröhlichen Lauf!"

Sie zechen und singen bis tief in die Nacht
und sprengen am Morgen von hinnen,
ganz wirre der Wirt am Boden erwacht,
er kann sich auf nichts mehr besinnen,
er starrt umher und sieht an der Wand
sein neckend Bildnis von Schelmenhand
und drunter, da steht es in Worten gefasst:
Den Wirt übertrinkt der echte Scholast!
Wir senden die Taler wohl über ein Weil!
Herr Wirt und fein Töchterlein Heil, gut Heil!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

Text added to the website: 2020-02-01 00:00:00
Last modified: 2020-02-01 19:32:01
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