Venetianische Nacht
Language: German (Deutsch) 
In Sommernacht, am Markuskanal,
da schaukelt die Gondel am Steinportal,

es lieget schlummernd ein Schiffmann darein,
die holdesten Träume wiegen ihn ein;

ihm war's, als trüge das Segel ihn fort,
mit Isolina an seligen Ort.

Da wacht er auf und fühlet sein Haar
duftend umwallt von Blütenschar.

Und sieh, auf der Brust ein Lilienzweig ruht,

ein weißer Schleier streifet herab
vom Altan, ... o blonder Knab,

's ist nur des Mondes schimmernd Licht,
das in kristallner Scheibe sich bricht.

Und als der nüchterne Morgen graut,
immer noch still sein Zweiglein er schaut.

Er birgt es seufzend an pochender Brust,
ist sich nur flüchtgen Traumes bewusst.

Was hilft sein Späh'n empor zum Balkon?
Es schlummert die Holde und ahnt nichts davon.

Wie schleichen die Monde so öde, so bang,
einsamer Fährmann, wie traurig dein Sang!

Was bannt dich so bleich 
ins Lagunenreich?

Doch heute in düstrer, verschwiegener Nacht
gleitet heran eine Gondel sacht.

"Ich such, o Fremdling, ein Liliengezweig,
hast du es funden, o nimmermehr schweig,

wieg es dir auf mit Perlen und Gold,
und geb dir ein Ringlein als Findersold!"

"Ich will kein Gold, kein Edelgestein,
nur dich, Isolina, nur dich allein!"

Er presst sie an sich, er küsst ihren Mund,
"o möchten wir sinken in Meeresgrund!"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

Text added to the website: 2020-02-01 00:00:00
Last modified: 2020-02-01 19:33:00
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