by Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)

Tränen
Language: German (Deutsch) 
Himmlische Liebe! zärtliche! wenn ich dein
  Vergäße, wenn ich, o ihr geschicklichen,
    Ihr feurgen, die voll Asche sind und
      Wüst und vereinsamet ohnedies schon,

Ihr lieben Inseln, Augen der Wunderwelt!
  Ihr nämlich geht nun einzig allein mich an,
    Ihr Ufer, wo die abgöttische
      Büßet, doch Himmlischen nur, die Liebe.

Denn allzudankbar haben die Heiligen
  Gedienet dort in Tagen der Schönheit und
    Die zorngen Helden; und viel Bäume
      Sind, und die Städte daselbst gestanden,

Sichtbar, gleich einem sinnigen Mann; itzt sind
  Die Helden tot, die Inseln der Liebe sind
    Entstellt fast. So muß übervorteilt,
      Albern doch überall sein die Liebe.

Ihr weichen Tränen, löschet das Augenlicht
  Mir aber nicht ganz aus; ein Gedächtnis doch,
    Damit ich edel sterbe, laßt ihr
      Trügrischen, Diebischen, mir nachleben.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2009-02-11
Line count: 20
Word count: 123