by Ignaz Franz Castelli (1781 - 1862)

Es sind zwei kleine Fensterlein
Language: German (Deutsch) 
Es sind zwei kleine Fensterlein
In einem großen Haus,
Da schaut die ganze Welt hinein,
Die ganze Welt heraus.

Ein Maler sitzet immer dort,
Kennt seine Kunst genau,
Malt alle Dinge fort und fort,
Weiß, schwarz, rot, grün und blau.

Dies malt er eckig, jenes rund,
Lang, kurz, wie's ihm beliebt,
Wer nennet all die Farben und
Die Formen, die er gibt?

Ein Zaub'rer ist's, ich sag' es kühn,
Denn Alles, was der Schoß
Der Erde faßt, das malt er hin
Auf's Fleckchen linsengroß.
Auch was der Hausherr denkt und steht,
Malt er an's Fenster an,
Daß Jeder, der vorübergeht,
Es deutlich sehen kann.

So mancher Fenster Feuerglanz
Hat viele so gebrannt,
Als wären sie geschliffen ganz
Aus schwarzem Diamant.

Und andre geben sanft und traut
Ein blaues Licht von sich,
Daß Jedem, der hinein nur schaut,
Wohl wird und wunderlich.

Und freut der Herr vom Hause sich
Und nimmt der Schmerz ihn ein,
So zeigen öfters Perlen sich
An beiden Fensterlein.

Ist schönes Wetter, gute Zeit,
Da sind sie hell und lieb,
Doch wenn es stürmet, fröstelt, schneit,
Da werden sie gar trüb.

Ein Knabe, unscheinbar und klein,
Doch reich begabt mit Macht,
Steigt bei den Fenstern aus und ein,
Wenn's nicht der Herr bewacht.

Und geht der Hausherr einst zur Ruh,
Nicht braucht er dann ein Licht,
Da schlägt der Tod die Balken zu
Und ach! — das Fenster — bricht.

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Confirmed with Ignaz Franz Castelli, Poetische Kleinigkeiten, drittes Bändchen, Wien: Anton Strauß, 1819, pages 252 - 255.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Bertram Kottmann

This text was added to the website: 2015-01-25
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