Mir ist, als müßtest du empfinden
Language: German (Deutsch) 
Mir ist, als müßtest du empfinden, 
Wie oft ich dein, wie treu gedacht, 
Als spräch' zu dir mit lauen Winden 
Statt meiner jede Sommernacht, 
Als läsest Du in jeden Sterne 
Mein Grüßen still und sehnsuchtsvoll ;
Ich weiß ja nicht, wie deine Ferne
Ich anders jetzt erreichen soll. 

Schon wälzt das Weltmeer seine Wogen, 
Die blauen, zwischen dir und mir, 
Du bist zur Heimath fortgezogen,
Ich steh' noch in der Fremde hier; 
Und über's Wasser durch die Steppen,
Führt keine Brücke mich, kein Steg, 
Hoch über meiner Klage schleppen 
Sich bange Tage langsam weg. 

Vielleicht daß du mich längst vergessen,
Vielleicht daß du mich nie erkannt, 
Vielleicht daß Andern unterdessen
Dein Blick sich huldvoll zugewandt?
Ich weiß es nicht; von Stund' zu Stunde 
In Zweifeln irr' ich scheu umher: 
Von dir kein Trost und keine Kunde,
Für mich kein Bote über's Meer! 

Und doch, den Grund soll nichts mir rauben, 
Den Ankergrund im Sturmgebiet: 
An meine Liebe will ich glauben, 
Die dich magnetisch an mich zieht; 
Du mußt sie fühlen, mußt sie ahnen, 
Mein Bild muß dir vor Augen stehn, 
Und so, trotz früh-zerriss'nen Bahnen,
Weiß ich, daß wir uns wiedersehn!

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Confirmed with Franz Dingelstedt's Sämmtliche Werke. Achter Band. Lyrische Dichtungen, Berlin, Verlag von Gebrüder Paetel, 1877, pages 304-305.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2018-07-26
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