by Christian Ludwig Neuffer (1769 - 1839)

Des Abends stille Feier
Language: German (Deutsch) 
Des Abends stille Feier,
Die Ruhe der Natur,
Umwebt mit düstrern Schleier
Die sanft gekühlte Flur;
Des Waldes Wipfel beben
Im letzten Sonnenstrahl,
Und dunkle Schatten schweben
Stets schwärzer in das Thal.
 
Der Schiffer strebt erschrocken
Auf leichtem Kahn daher,
Der Dörfer dumpfe Glocken
Verstummen rings umher,
Aus dichten Büschen schimmert
Des Landmanns fernes Licht,
Das weite Feld verflimmert
Gleich einem Traumgesicht.
 
Im Westen säumt den Aether
Romantisch helle Gluth,
Stets feuriger und röther
Entwallt die Strahlengluth;
Jezt steigt mit Königsmilde
Aus dem umglänzten Thor
Gleich einem Flammenschilde
Der volle Mond empor.
 
Jezt überschweift beflügelt
Das ganze Thal sein Blick,
Aus tausend Quellen spiegelt
Sein Antlitz sich zurück,
Wie ein Feuersäule
Ruht er dem Strom entlang,
Der Zauber seiner Pfeile
Dringt durch den Pappelgang.
 
Ein Silberflor unwebet
Den ernsten Eichenhain,
Auf seinem Haupte schwebet
Der holde Dämmerschein;
Des Flusses Weiden flimmern
Im kühlen Nebelduft
Und helle Funken schimmern
In der durchglühten Luft.
 
O Cidli, welche Fülle!
Wie ahnend und wie hehr!
Und welche Sabbathsstille
Auf diesem Schönheitsmeer!
Wie sanft die Nachtluft fächelt!
Wie froh mein Herze schwellt!
Denn seinem Blick entlächelt
Mir schöner noch die Welt.
 
Vom treuen Arm umschlungen
Durchwandern wir jezt stumm
Und in uns selbst gedrungen
Dies lichte Heiligthum.
Wie in Elysiens Gängen
Auf mildbeglänzten Höhn'
Bei heiligen Gesängen
Die frommen Mannen gehn.

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Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2010-02-10
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