by Johann Friedrich Kind (1768 - 1843)

Des Fischers Ständchen
Language: German (Deutsch) 
Über klare Wellen gleitet
Sanft der kleine Kahn dahin,
Und des Mondes Schimmer leitet
Mich zur Herzensköniginn. 

Schon erblick' ich dort die Hütte,
Wo mein feines Liebchen wohnt.
Das nach alter Deutscher Sitte
Mich mit treuer Liebe lohnt.

Mädel, horch, dein Vielgetreuer
Naht dem grünen Ufer sich.
Schau heraus! dein junger Freyer
Singt ein Abendlied für dich.

Loses Madel! laß dir sagen:
Heute heißt's noch Jungfer Braut;
Aber nach den Feyertagen
Hat der Priester uns getraut.

Junge Weiden überschatten
Meiner Hütte Binsendach;
Weiches Moos und Blumenmatten
Duften süß im Brautgemach.

Deine Liebe schafft hienieden
Schon die Erd' zum Himmel dann;
Immer glücklich und zufrieden
Leben wir als Weib und Mann.

Wenn der frühe Morgen winket, 
Wecket dich mein Morgenkuß;
Wenn die Abendsonne sinket.
Schwebt mein Nachen über'n Fluß.

Wilde Rosen vom Gesträuche,
Weibchen! für dein blondes Haar,
Blaue Lilien aus dem Teiche
Bring' ich dir zur Gabe dar.

Manchen Korb von schlanken Binsen,
Die ich sorglich ausgesucht,
Gelblichgrüne Wasserlinsen
Für die kleine Aentenzucht . . .

Manche kleine Liebesgabe
Bring' ich, holdes Weib, dir dann.
Du bist meine ganze Habe,
Und dein Reichthum ist dein Mann.

Heute schläfst du noch alleine . . .
Wirf das Fensterchen nur zu! . . .
Aber bald, du liebe Kleine,
Wieg' ich dich in sanfte Ruh'! 

Confirmed with Johann Friedrich Kind, Gedichte: viertes Bändchen; zweite, verbesserte und vollständige Auflage, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch, 1819, pages 165 - 166.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2010-06-26
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