Lieder und Gesänge mit Begleitung des Pianoforte

by Friedrich Oestreich (1800 - 1840)

Word count: 3794

1. Den deutschen Frauen [sung text checked 1 time]

Wen singet des preisenden Liedes Klang,
von Freudengefühlen belebt?
Den Frauen und Mädchen ertönt der Gesang,
der deutsche Herzen erhebt.
Es folget der Tugend ein milderer Glanz,
die still im Verborgenen schafft,
wenn strahlender winket des Ruhmes Kranz
für Helden mit siegender Kraft.

Es sprossten die Blüten des Lenzes hervor,
da rief es zum heiligen Streit.
War's, Gott, deine Stimme aus himmlischem Chor?
Schon stehen die Edlen bereit.
Und weinest du, Mutter, beim Scheiden nicht?
Dein Sohn geht aufs Feld der Gefahr!
„Das Vaterland rufet, das Herz mir nicht bricht;
Sohn, folge der mutigen Schar!“

Da glänzte des Jünglings Auge so kühn,
der Freiheit begeisterndes Bild
zieht  lockend zum Kampfe den Willigen hin,
die Braut sieht ihn ruhig und mild:
„Du kehrest nach Schlachten und Kämpfen zurück,
dann reich'ich dem Sieger die Hand.“
Hochherzige Töchter, Preis euch und Glück,
ihr schmücket das deutsche Land!

Es kämpfen die Tapfer'n um hohen Gewinn
mit kühner, begeisterter Brust,
entflammt von mutigem Heldensinn
ist Tod und Gefahr ihnen Lust.
Daheim in den Frauen die Hoffnung erwacht
und Freude, wenn Großes geschieht;
es hellet der Sehnsucht dunkelnde Nacht
Vertrauen im gläub'gen Gemüt.

Heiß brennet die Wunde, es fliehet die Kraft,
die Freude des Lebens entsinkt.
Wer ist es, der Trost dir und Linderung schafft
und Ruhe dem Leidenden bringt?
Die Frauen, sie über die heilige Pflicht
zur Pflege und Wartung vereint:
Es nahet der Schlummer den Sorgenden nicht,
bis frischer das Leben erscheint.

Und seht die Geschenke von künstlicher Hand,
dem besten der Zwecke geweiht!
Es fliehet des Schmuckes äußerer Tand
beim ernsten Mahnen der Zeit.
Was sorgliche Treue zu üben weiß,
das übten die Frauen mit Lust:
Sie teilen des Sieges lohnenden Preis,
den Dank aus freudiger Brust.

Sie singet des preisenden Liedes Klang,
von Freudengefühlen belebt!
Den Frauen und Mädchen ertönt der Gesang,
der deutsche Herzen erhebt.
Es folget der Tugend ein milderer Glanz,
die still im Verborgenen schafft,
wenn strahlender winket des Ruhmes Kranz
für Helden mit siegender Kraft.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

2. Als der Waffenruf unsers lieben Königs erscholl, 21.4.1815 [sung text checked 1 time]

Heller Ruf ist jüngst erklungen,
ernstes Lied wird nun gesungen,
großer Kampf ist neu erwacht!
Es versinkt des Friedens Wonne
vor des Krieges glüh'nder Sonne,
laut ertönt der Ruf zur Schlacht.

Und mit freudig süßen Schmerzen
eilt von ewig teuren Herzen
kühn der Krieger in den Tod!
Denn das kräftig blüh'nde Leben
für das Höchste hinzugeben
winkt der Freiheit Morgenrot.

Sollten wir das Joch verschulden
und den trägen Frieden dulden
ohne Freiheits Morgenstrahl?
Nein, zum gläubig kühnen Streiten
mög' uns Gott in Gnaden leiten,
deutsches Herz hat keine Wahl.

Mutig! Uns're Preußen siegen,
uns're stolzen Adler fliegen
hoch empor in kühner Lust!
Freudig kämpfen uns're Brüder,
freudig drücken wir sie wieder
an die freie, sel'ge Brust.

Ist auch schwer der Trennung Leiden,
winken tröstend süße Freuden,
deines Himmels Wiederseh'n.
Weichet nun, ihr herben Tränen,
denn es stillt das bange Sehnen
Himmelsstrahl von lichten Höh'n.

Seht, des Kreuzes heilig Zeichen
leuchtet über Blut und Leichen
zu des Sieges heller Bahn!
Was in frommem Mut begonnen,
schließt in sel'gen Friedens Wonnen,
Glauben führt uns himmelan.

Gott vertraut! Es wird gelingen!
Siegeslieder neu erklingen
dann im kindlich treuen Dank.
Gott ist mit uns, er wird retten
vor des Feindes schweren Ketten,
ihm erschalle Lobgesang!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

3. Kolibri [sung text not yet checked]

Kolibri, Kolibri, 
Senke dich nieder! 
Zeige mir, Kolibri, 
Dein bunt Gefieder!

Kolibri, Kolibri, 
Goldgrüner Funken! 
Bist du der Phantasie 
Reichen entsunken?

Bist du dem Frühgewand 
Iris' entfallen? 
Gleichst jetzt dem Diamant, 
Jetzt den Korallen.

Jetzt, wie ein Rosenblatt 
Westen zum Spiele, 
Saugst du in Meth dich satt, 
Schwebend am Stiele ;

Dankest dein Göttermahl
Duftenden Kelchen,
Kannst stets mit freier Wahl
Flattern und schwelgen.

Senkt sich der Herbst herab,
Welken die Blüten ;
Sterben sie, dir ein Grab
Liebend zu bieten. 

Ruft sie der junge Mai
Wieder ins Leben,
Hebst du den Fittig neu,
Sie zu umschweben.

Also des Dichters Sang
Wählt unter allen
Blumen an Hügels Hang,
Will gern gefallen. 

Naht sich mit Lieb' und Lust 
Frölich im Maien 
Jeglicher jungen Brust, 
Sie zu erfreuen.

Senkt sich ein Sturm herab,
Nahen die Schmerzen; 
Findet er still sein Grab 
In Freundes Herzen.

Wehet der Freude Hauch 
Lieblich dann wieder, 
Alsbald erwachen auch 
Frölich die Lieder.

Schwingen mit süssem Ton 
Frei noch die Flügel, 
Decket den Dichter schon 
Grünend der Hügel.

Kränzt sich der Enkel dann 
Frölich mit Reben, 
Heißt's : 's war ein Ehrenmann 
Lasset ihn leben !

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Der Sänger [sung text not yet checked]

Der Sänger saß auf Ufershöhen,
Tief in dem Busen bittern Harm,
"Die Menschen wollen nicht verstehen,
Was mich bewegt so liebewarm;"
 
"Und was ich hochbeglückt gesungen
Aus vollem tiefen Herzensdrang,
Es ist wohl ungehört verklungen
Im wildbewegten Menschendrang."
 
"Drum will ich von der Erde gehen,
Nimm du mich auf, o stille Fluth,
Vielleicht, daß drüben sie verstehen
Des vollen Herzens Liebesgluth."
 
Er nimmt die Laute in die Arme,
Und preßt sie an den bleichen Mund:
Und schnell verlischt das liebewarme,
Das hohe Herz im Meeresgrund.
 
Die Laute schwamm auf klaren Wogen
Leicht aus der Tiefe aufgeschwebt;
So ist sie freudig fortgezogen
Von leisem Geisterton umbebt.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The minstrel", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Frauentaschenbuch für das Jahr 1817 von de la Motte Fouqué, Nürnberg: bei Joh. Leonh. Schrag, pages 239-240


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Des Fischers Ständchen [sung text not yet checked]

Über klare Wellen gleitet
Sanft der kleine Kahn dahin,
Und des Mondes Schimmer leitet
Mich zur Herzensköniginn. 

Schon erblick' ich dort die Hütte,
Wo mein feines Liebchen wohnt.
Das nach alter Deutscher Sitte
Mich mit treuer Liebe lohnt.

Mädel, horch, dein Vielgetreuer
Naht dem grünen Ufer sich.
Schau heraus! dein junger Freyer
Singt ein Abendlied für dich.

Loses Madel! laß dir sagen:
Heute heißt's noch Jungfer Braut;
Aber nach den Feyertagen
Hat der Priester uns getraut.

Junge Weiden überschatten
Meiner Hütte Binsendach;
Weiches Moos und Blumenmatten
Duften süß im Brautgemach.

Deine Liebe schafft hienieden
Schon die Erd' zum Himmel dann;
Immer glücklich und zufrieden
Leben wir als Weib und Mann.

Wenn der frühe Morgen winket, 
Wecket dich mein Morgenkuß;
Wenn die Abendsonne sinket.
Schwebt mein Nachen über'n Fluß.

Wilde Rosen vom Gesträuche,
Weibchen! für dein blondes Haar,
Blaue Lilien aus dem Teiche
Bring' ich dir zur Gabe dar.

Manchen Korb von schlanken Binsen,
Die ich sorglich ausgesucht,
Gelblichgrüne Wasserlinsen
Für die kleine Aentenzucht . . .

Manche kleine Liebesgabe
Bring' ich, holdes Weib, dir dann.
Du bist meine ganze Habe,
Und dein Reichthum ist dein Mann.

Heute schläfst du noch alleine . . .
Wirf das Fensterchen nur zu! . . .
Aber bald, du liebe Kleine,
Wieg' ich dich in sanfte Ruh'! 

Authorship

Confirmed with Johann Friedrich Kind, Gedichte: viertes Bändchen; zweite, verbesserte und vollständige Auflage, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch, 1819, pages 165 - 166.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

6. Erlkönigs Tochter  [sung text not yet checked]

Herr [Oluf]1 reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitleut'.
Da tanzen die Elfen auf grünem Strand,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand:
"Willkommen, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Zwei göldene Sporen schenke ich dir."

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen ist mein Hochzeittag."
"Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir, 
Ein Hemd von Seiden schenke ich dir,
Ein Hemd von Seiden so weiß und fein,
Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein!"

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen ist mein Hochzeittag."
"Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenke ich dir."
"Einen Haufen Goldes nähme ich wohl,
Doch tanzen ich nicht darf noch soll."

"Und willst du, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch' und Krankheit folgen dir!"
Sie tät ihm geben einen Schlag aufs Herz,
Sein Lebtag fühlt' er nicht solchen Schmerz.
Drauf tät sie ihn heben auf sein Pferd:
"Reit' heim zu deinem Fräulein wert!"

Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür:
"Sag an, mein Sohn, und sag mir gleich,
Wovon du bist so blaß und bleich?"
"Und sollt ich nicht sein blaß und bleich?
Ich kam in Erlenkönigs Reich."

"Sag an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?"
"Sagt ihr, ich ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda mein Roß und Hund."
Früh Morgens als der Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

Sie schenkten Met, sie schenkten Wein:
"Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"
"Herr Oluf ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda sein Roß und Hund."
Die Braut hob auf den Scharlach rot, 
Da lag Herr Oluf und war tot.

Authorship

Based on

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "Lord Oluf", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La fille du roi des aulnes", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 August: "Olof"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Cupidos Macht [sung text not yet checked]

Über Meereswellen
Über Schwindelgrüfte,
Unter Erdequellen,
Unter Todesgrüfte,
Zu den tiefsten Wirbelseen,
In Neptuns geheimstes Bad,
Zu den schroffsten Alpenhöhen
Weiß Kupido Rath und Pfad.

Wo zum engen Schirmchen
Sich kein Räupchen windet,
Wo kein Feuerwürmchen
Raum zum Funkeln findet,
Wo kein Milbchen eine Ritze
Zu bequemen Schlummer hat,
Dorthin, wie zum Göttersitze
Weiß Kupido Rath und Pfad.

Huldigung dem Knäbchen!
Wuchs und Unschuld trügen:
Ohne Zauberstäbchen
Lächelnd kann er siegen.
Wenn auch zwischen Felsenmauern
Am unlandbarsten Gestad
Liebekranke Mädchen trauern,
Weiß Kupido Rath und Pfad.

Tiger mögt ihr zähmen,
Schlangen heisser Wüsten
Ihr Gezüchte nehmen,
Adler überlisten,
Und gefang'ne Löwenmütter
Wehrlos schleppen durch die Stadt;
Aber, trotz Gewalt und Gitter,
Weiß Kupido Rath und Pfad. 

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Der Harfner [sung text checked 1 time]

Sanft rührte der Harfner sein Saitenspiel,
das tönte mit lieblichem Klange.
Es sprach aus den Tönen der Sehnsucht Gefühl,
im Herzen ihm wurde so bange.

Still saß er am Hügel, die Sonne sank,
rings war es schon öde geworden,
und was aus der Seele ihm immer drang,
vertraut' er den lieben Akkorden.

Die führten die Lüfte ins weite Land,
doch sollten nicht einsam sie klagen;
es weilte nicht fern an des Hügels Rand,
die liebend er in sich getragen!

Sie lauschte den Tönen und webte d'rein
die Wort' in die lieblichen Klänge;
dem Harfenton mischte sie engelrein
der Liebe geweihte Gesänge.

Und wie sich das Wort mit den Klängen eint,
entschwinden dem Harfner die Schmerzen:
„Wo tröstend die Nähe der Liebe erscheint,
entschlummert die Sehnsucht im Herzen.“

Authorship

Research team for this text: Bertram Kottmann , Johann Winkler

9. An die Liebe [sung text not yet checked]

O wie fremd, wie räthselhaft
Meines Busens Flammen,
Wenn sie nicht von deiner Kraft,
Göttin Liebe, stammen!

Aber, Liebe, bist es du,
Welche Zaubereien? --
Welche Wunder, die im Nu
Altern und erneuen?

Herzerfreuerin! Woher
Seufzer, Thränenquellen?
Zahlenlos, wie Sand am Meer,
Leiden, Foltern, Höllen?

Qualenschöpferin! Woher
Scherze, Wonnen, Küsse?
Zahlenlos, wie Sand am Meer,
Himmelsvorgenüsse?

Will ich lieben, o warum
Doch am Borne lechzen?
Muß ich lieben, so verstumm',
Hoffnungsloses Ächzen! 

O der Qualentzückungen!
O der Wonneschmerzen!
So gebeut, o Liebe, denn
Ewig meinem Herzen!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Die Tafel am Rhein [sung text not yet checked]

   Koblenz 1816.

Der Sänger kommt zur guten Stunde
Und ihn empfängt ein holder Gruß,
Den Feldherrn und die Tafelrunde
Erblickt er an dem grünen Fluß.
Der Feldherr läßt den Becher füllen
Mit altem Wein von Rüdesheim:
Du kannst, o Herr, die Sehnsucht stillen,
Ein frischer Trunk weckt frischen Reim.

Den Becher heb' ich in die Lüfte,
Halb trink ich ihn, und gieß ihn aus,
Und spreng' ihn auf die Rasengrüfte,
Auf unsrer Väter stilles Haus.
Nun eingeweiht mit Blut und Weine,
Mein Land, mein Heldenvaterland,
O starker Fluß, ihr dunkeln Haine,
Der Sänger weiht euch Brust und Hand!

Der Freiheit laß ich nun erschallen
Mein zweites Wort, mein kühnstes Lied,
Der Heldenbraut, die von den Hallen
Des Sternendoms hernieder sieht.
Sie hat uns unser Herz genommen,
Hat hoch entzündet unsern Muth:
O süße Maid, wann willst du kommen
Mit deinen Pfeilen, deinem Hut?

Der Schönsten jetzt, die still im Herzen
Ein Jeder nennt und Jeder meint,
Der Guten, die mit Spiel und Scherzen
Den wunderbaren Ernst vereint.
Sie sendet uns in ferne Schlachten,
Wir ziehn um seligen Gewinnst,
Und wie wir dürsten, wie wir schmachten,
Wir sind beglückt in ihrem Dienst.

Den Feldherrn sing' ich und die Waffen,
Die kühn das Vaterland befreit,
Sie mögen ewig Recht verschaffen
Und Sieg der theuern Christenheit.
So hab' ich wol im Knabentraume
Die alte Ritterschaft gesehn,
Ich sehe gleich dem Eichenbaume
Im Waffenschmuck den Feldherrn stehn.

Ich seh' ihn strafend ab sich wenden
Den Feldherrn, der vor Demuth glüht,
Nun darf ich nicht mein Lied vollenden,
Sein Leben ist ein Heldenlied.
Klingt hell dazu ihr Glockenspiele,
Ihr alten Thürme schaut herein,
O komm aus tiefer Nacht und Kühle,
Du Sonnenkind, komm edler Wein!

Der Sänger schweigt, er fährt hinunter,
Auf leichtem Kahn den grünen Fluß,
Und bunter wird's und immer bunter,
Es kommt geflogen Gruß auf Gruß.
Und wenn der letzte Ton verklungen,
Ins Meer der letzte Tropfen rann,
So fängt ein Lied in höhern Zungen,
Im höhern Licht ein Leben an.

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11. Ländliches Glück [sung text not yet checked]

Wohl dem Mann, der in der Stille
Seine kleine Heerde führt,
Weit von Menschen, in der Hülle
Dunkler Bäume sie regiert.

Wo er wohnet sind die Götter,
Sitzen bei dem kleinen Mahl,
Ewig sonnt ihn Frühlingswetter,
Fern von ihm die rege Qual,

Die mit ihren schwarzen Flügeln
Um den Unzufriednen schwärmt,
Daß er sich von Thal zu Hügeln
Und von Hügeln thalwärts härmt.

Aber hier ist Abendröthe
Widerschein von Morgenroth,
Und die kleine Schäferflöte
Klinget bis zu unserm Tod.

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12. Künstlers Abendlied [sung text not yet checked]

Ach, daß die innre Schöpfungskraft
Durch meinen Sinn erschölle!
Daß eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!

Ich zittre nur, ich stottre nur,
Und kann es doch nicht lassen;
Ich fühl, ich kenne dich, Natur,
Und so muß ich dich fassen.

Bedenk ich dann, wie manches Jahr
Sich schon mein Sinn erschließet,
Wie er, wo dürre Heide war,
Nun Freudenquell genießet;

Wie sehn ich mich, Natur, nach dir,
Dich treu und lieb zu fühlen!
Ein lustger Springbrunn wirst du mir
Aus tausend Röhren spielen.

Wirst alle meine Kräfte mir
In meinem Sinn erheitern
Und dieses enge Dasein hier
Zur Ewigkeit erweitern.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "The artist's evening song", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson vespérale de l'artiste", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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13. Lied von der alten Zeit [sung text checked 1 time]

Singt der alten Zeiten Ruhm,
singt vom edlen Rittertum!
Singt ihm eure besten Lieder,
singt es uns ins Leben wieder!
Männer stattlich überall,
wie gegossen aus Metall,
angetan mit kalten Erzen,
zugetan mit warmem Herzen.
Frauen züchtig überaus,
Zucht im Herzen, Zucht im Haus,
fest und tapfer in der Minne
und den Liebsten stets im Sinne.

Schwert und Zither in der Hand,
zieh'n die Sänger durch das Land,
schlagen, gilt es, d'rein wie Ritter,
heilen wieder mit der Zither;
singen manch ein frommes Lied,
und wie's denn auch wohl geschieht,
wollen kühlen sie ihr Mütlein
zwischend'rein im Schelmenliedlein;
singen uns des Schönen viel,
Ritterernst und Ritterspiel,
Frauenlieb' und Gottesfeste,
und der Schönsten gilt das Beste.

Gold'ne Zeit der Phantasie,
zu uns wiederkehrst du nie!
Starbst vom Alter überwunden,
du, ein Kind, an deinen Wunden!
Warst so jung und frisch und rot,
bist nun grau und bist nun tot!
Nur im Geist erscheinst du wieder
uns im Klang der süßen Lieder!
Drum ihr Sänger frank und frei,
singt die alte Zeit herbei!
Weckt das Tote auf zum Leben,
lasst die Geister uns umschweben.

Authorship

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14. Ersisches Lied [sung text not yet checked]

Wenn ich ein Vöglein wär' ; 
Hätte Gefieder --
Flög' ich wohl übers Meer 
Sänge ihm Lieder, 
Ließe mich nieder,
Dächt nie der Wiederkehr! 
Wenn ich ein Vöglein wär! 

Wenn ich ein Fischlein wär ;
Lauscht ich am Quelle --
Ob wohl von Ungefähr 
Käme die Welle 
Von jener Stelle 
Etwa vom Liebsten her! 
Wenn ich ein Fischlein wär!

Wenn ich ein Blümlein wär; 
Würd' ich mich bücken, 
Wenn [Liebchen]1 wallt daher 
Müßte mich pflücken,
Wollte mich drücken
Daß [sie]2 mich nie verlör'
Wenn ich ein Blümlein wär!

Wenn ich ein Sternlein wär; 
Glänzt ich von oben,
Wenn sonst so freudenleer 
[Nacht sie]3 umwoben --
Nicht dürften toben
Stürme um [Liebchen]4 nun mehr, 
Wenn ich ein Sternlein wär! 

Trennung ist allzuschwer, 
Vöglein singt Lieder:
Fischlein hüpft hin und her,
Blümchen sproßt wieder
Sternlein sinkt nieder --
[Liebchen]5 kehrt nimmermehr!
Trennung ist allzuschwer !

Authorship

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Text included in Taschenbuch zum Geselligen Vergnügen, 1806 and quoted with changes in Die Spanische Johanna: Ein Original-Roman, als Gegenstück zum deutschen Don Juan, 1820, by Adolph von Schaden, pp. 197-199
1 switched to "er dann" in Schaden's version.
2 "" : "er"
3 "" : "Er ständ"
4 "" : "ihn"
5 "" : "Ach er"

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15. An die Sterne [sung text checked 1 time]

Ihr seid so lieb und glänzt so mild
von euren Himmelshöh'n;
ich hab' euch gern, doch Idas Bild
mag ich noch lieber seh'n.
Ob tief ich wandle, droben ihr
am Dom des Äthers hoch -
zum Himmel schafft die Holde mir
die nied're Erde doch.
Und all eu'r selig leuchtend Licht
habt ihr von Ida nur,
wenn still ihr Engel-Angesicht
aufblickt zur Sternenflur.

Ihr trinkt den Strahl so stumm, so weit;
mir süß die Stimme spricht,
d'rum tausch' ich meine Erdenfreud'
mir um die Himmel nicht.
Nur einmal möcht' ich Himmel sein,
um aus euch Sternen all'
zu schau'n in ihrer Augen Schein
so recht mit einem Mal.
Dann lobt' ich euren schönen Glanz
und dächt' im Herzen doch:
Viel heller als der Sternenkranz
scheint Idas Bild mir noch.

Authorship

Note: Goethe-Museum catalog indicates poet only as "Gerstenberg"

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16. Leichter Sinn [sung text checked 1 time]

Wer nährt im Herzen frohen Mut,
der ist auch groß und reich.
Ein leichter Sinn, ein leichtes Blut
macht Menschen Göttern gleich.
Nicht Sorge zehrt die Stunden fort
und gibt dem Busen Harm,
führt doch kein Fleh'n, kein Zauberwort
das Glück in unser'n Arm.
In Dunkel hüllt die Zukunft sie
mit weiser Güte ein;
zu späh'n und forschen plagt's mich nie,
ich müsst' sonst töricht sein.

Und dünkt' ich mich wohl gar zu klug
durch Kunst und Gaukelei,
dem Wunsch zu g'nügen, der Betrug
ließ nie mich froh und frei.
Nur der vergang'nen Zeiten Lust
vergönnet sei ein Platz,
dass mein Gedächtnis in der Brust
nur häuf' der Freuden Schatz.
Verweht sei jede dunkle Spur
des Übels, das mich traf,
das Böse aber schlumm're nur
den ew'gen, ew'gen Todesschlaf.

Unwandelbar doch bleib' der Sinn,
den es in mir geweckt,
es anzuschau'n als Geistgewinn,
nur lass nichts ungeneckt.
Mein Element ist Gegenwart,
sie steig're meine Kunst,
und was ihr heil'ger Schoß bewahrt,
vergönnt mir ihre Gunst.
Nur fordert sie den Kennerblick,
das Gute zu erschau'n
und zu erkaufen Seelenglück
durch Güte und Vertrau'n.

Authorship

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17. Ständchen [sung text not yet checked]

Horch auf! es flüstert der Abendwind,
  Die Nachtigall lockt im Thal,
Am Himmel oben versammelt sind
  Die Sternlein allzumal,
Und unten am Bach die Blümchen klein,
Sie nicken und schlafen beisammen ein!

Ich wecke mein Liebchen, bei stiller Nacht,
  Mit Sang und Saitenspiel;
Ein Liedchen hab' ich mir ausgedacht,
  Wär froh, wenn's ihr gefiel!
Ach! einsam wird die Nacht so lang!
Was bleibt mir anders, als Sing und Sang?

Am Himmel jegliches Sternlein geht
  Selbander seine Bahn;
Das Wiesenblümchen wohl lustig steht,
  Hat's Liebchen neben an;
Und jedes sieht mich an und spricht:
"Wo weilt dein Liebchen? Ach, kommt es nicht?

O, süßes Kind, warum kommst du nicht?
  Die Blumen laden dich ein!
Das gold'ne Auge der Sterne spricht:
  "Laß Schlaf und Kämmerlein!
Der Fackeltanz leuchtet den Himmel entlang!
Die Nachtigall flötet den Brautgesang!"

Sie kommt! sie naht sich! o Götterlust!
  Ihr Sternlein, schimmert all!
Was klopfst du, Herz, in der frohen Brust?
  Was lockst du, Nachtigall?
Erglänz' in tausend Himmelspracht,
Erglänz' um mich, o süße Nacht!

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18. König Ankäos [sung text not yet checked]

Der König von Samos, Ankäos genannt, 
Zog Gräben die Hügel hinan, 
Und pflanzte die Reben mit ämsiger Hand; 
Ein Sklave trat sinnig ihn an: 

"Lass ruhen, Ankäos, die ämsige Hand, 
Und raste im kühlichen Saal! 
Nie füllet der Saft, diesen Reben entwandt, 
Dir König den goldnen Pokal." 

Dess lachte der König mit heiterem Sinn, 
Er raunte dem Alten ins Ohr: 
"Und gäb' auch der Herbst noch so kargen Gewinn, 
Du füllst mir den Becher, du Thor!"  

"Traue nicht dem falschen Glücke, 
Nicht der Hoffnung eitlem Spiel, 
Und errangst du schon das Ziel, 
Fürchte noch des Schicksals Tücke!  
Zwischen Traubenstock und Most 
Schwebet drohend Sturm und Frost."  

Bald schossten die Reben gar lustig empor; 
Bald grünte und blühte der Wein; 
Bald drängten sich schwellende Beeren hervor, 
Geröthet von sonnigem Schein. 

Und als nun der König beim fröhlichen Fest 
Der Lese den Alten ersah, 
Da rief er:  "Schon werden die Trauben gepresst; 
Ist Becher und Mundschenk auch da?"  

Doch düsteren Auges erwidert der Greis:
"Wohl schäumt in der Kelter der Most; 
Doch hast du, der ämsigen Mühe zum Preis, 
Noch keinen der Tropfen gekost't." 

"Traue nicht dem falschen Glücke, 
Nicht der Hoffnung eitlem Spiel, 
Und errangst du schon das Ziel, 
Fürchte noch des Schicksals Tücke! 
Zwischen Kelch und Kelterbaum 
Dehnet sich ein weiter Raum." 

Und als nun der Sklave beim schimmernden Mahl 
In finsteres Schweigen gehüllt, 
Dem König credenzte den goldnen Pokal, 
Mit heimlichem Grauen gefüllt; 

Da rief ihm der König mit fröhlichem Sinn: 
"Willkommen, du sinniger Thor!" 
Wohl bringt mir die Mühe gar süssen Gewinn . . . 
Was hältst du so zagend empor?" 

Doch düsteren Auges erwidert der Greis, 
Mit Thränen im bleichen Gesicht:
"Wohl bring' ich den Becher auf Königs Geheiss, 
Doch trank Er des Mostes noch nicht!"  

"Traue nicht dem falschen Glücke, 
Nicht der Hoffnung eitlem Spiel, 
Und errangst du schon das Ziel, 
Fürchte noch des Schicksals Tücke! 
Zwischen Lipp' und Kelchesrand 
Schwebt der finstern Mächte Hand!"  

Schon fasset der König den goldnen Pokal, 
Und hebet ihn lächelnd empor; 
Da stürzen die Winzer durchs hohe Portal, 
Ein Diener tritt zitternd hervor:  

"Herr König!  ein Eber verwüstet mit Wuth 
Den Weinberg, so ämsig gepflegt. 
Schon röcheln die rüstigen Jäger im Blut, 
Vom schnaubenden Keiler erlegt!"  

Auf reisst sich der König, und fodert den Stahl, 
Und schwinget die Lanze mit Muth. 
Doch trank er wohl nie mehr aus goldnem Pokal . . . 
Es saugte die Erde sein Blut.  

"Traue nicht dem falschen Glücke, 
Nicht der Hoffnung eitlem Spiel, 
Und errangst du schon das Ziel, 
Fürchte noch des Schicksals Tücke! 
Zwischen Eins und noch Einmal 
Niederflammt des Blitzes Strahl!"

Authorship

Confirmed with Johann Friedrich Kind, Gedichte, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch, 1808, pages 5 - 8.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

19. Geistergruß [sung text checked 1 time]

Dein Jüngling muss zum Kampfe geh'n,
der Krieg führt ihn ins Weite.
Siehst, Mädchen, du die Fahne weh'n?
Sie ruft zum heil'gen Streite.
Sanft winkt der Liebe Schmeichelton,
doch draußen steh'n gerüstet schon
und harren mein die Brüder;
ich kehr' als Sieger wieder!

Wer lindert, Mädchen, deinen Harm?
Du darfst ihm Tränen weihen.
Der Teure eilt aus deinem Arm
und schließt sich an die Reihen.
Die Trommel schallt, das Horn erklingt,
von ferne noch dein Jüngling winkt,
und bald ist er entschwunden,
weit weg in wenig Stunden.

Im tiefen Schmerz sinkt sie dahin
und glaubt wohl zu vergehen,
doch bald füllt Ruhe ihren Sinn
wie leises Himmelswehen.
Ein liebes Bild vor ihr entstrahlt,
das hell und klar der Schlummer malt.
Darfst, Mädchen, nicht erbeben,
es ist des Geistes Leben.

Sie sieht auf fernen Bergeshöh'n,
wo sich die Wolken teilen,
in gold'ner Rüstung glänzend schön
den kühnen Jüngling weilen.
Sein Auge flammt in Heldenlust,
ein strahlend Kreuz ziert seine Brust,
und hoch am Himmelsbogen
kommt hell ein Strahl gezogen.

Und wie der Strahl herniederglänzt,
sieht sie ein Bildnis werden,
das Haupt von Sternen rings umkränzt:
Sie ist es, die auf Erden
geziert der Preußen Königsthron!
Der Himmel reicht ihr seinen Lohn;
ein Kreuz in ihren Händen,
zur Erde will sie's wenden.

Das Kreuz erglänzt wie Edelstein,
es glüh'n in ihm die Zeichen.
„Der Frauentugend Lohn zu sein,
will ich's herniederreichen!“
So klang es wie ein Engelston,
mit ihm zog schnell der Glanz davon.
Ein stiller Himmelsfrieden
dem Mädchen ist beschieden.

Und wie sie in das Leben tritt,
da übt sie fromme Treue,
zum schönen Zwecke wirkt sie mit,
dass Leiden sich erfreue.
Es flieht der Schmerz, die Wunde heilt,
wo ihre Sorg' und Pflege weilt!
Louise sieht's! Ihr Zeichen
heißt sie der Treuen reichen!

Des Friedens Sonne bald erscheint,
bald schallen Jubellieder;
da wird der Traute ihr vereint,
den Jüngling sieht sie wieder.
Er winket ihr mit Siegeslust,
das Kreuz an seiner Heldenbrust:
In Wahrheit sie nun schauet,
was ihr der Geist vertrauet.

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Researcher for this text: Johann Winkler

20. Vierstimmiger Gesang [sung text checked 1 time]

Stille Andacht senkt sich nieder
auf die treue, gläub'ge Schar;
es belebt den Dank der Lieder
ihre Nähe wunderbar.

Jedem Herzen schenkt sie Frieden
und dem Geiste Himmelsruh';
von dem Ird'schen abgeschieden
führt sie ihn dem Himmel zu,

wo die guten Engel wohnen
in dem reinen Sonnenlicht,
wo die Seraphime thronen
vor des Vaters Angesicht.

Weile du in uns'rer Mitte,
deine Nähe lass uns seh'n,
höre uns're Kinderbitte,
frommer Geist aus lichten Höh'n!

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Researcher for this text: Johann Winkler