by Anton Simon (1760 - 1810)
Translation © by Guy Laffaille

Das Bild
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): CAT DUT ENG ENG FRE
Ein Mädchen ist's, das früh und spät
Mir vor der Seele schwebet,
Ein Mädchen, wie es steht und geht,
Aus Himmelsreiz gewebet.
Ich seh's, wenn in mein Fenster mild
Der junge Morgen blinket;
Ich seh's, wenn, lieblich wie das Bild,
Der Abendstern mir winket.

Mir folgt's, ein treuer Weggenoß
Zur Ruh' und ins Getümmel:
Ich fänd' es in der Erde Schooß;
Ich fänd' es selbst im Himmel.
Es schwebt vor mir in Feld und Wald,
Prangt über'm Blumenbeete,
Und glänzt in Seraphimsgestalt
Am Altar, wo ich bete.

Ergötzt mein Aug', o Himmel, sich
So oft an deiner Bläue;
So ist's, weil ich der Gleichheit mich
Mit ihrem Auge freue.
Auch du, o Ros', erhieltest nicht,
Daß ich so gern dich pflückte,
Wenn nicht der Huldinn Angesicht
Ein gleicher Purpur schmückte.

Ich horch' auf ihre Stimme nur
Beym Lied der Nachtigallen;
Seh' im Gewühl der Aehrenflur
Nur ihrer Locken Wallen;
Empfind' im Hauch der Morgenluft
Die Ruh' nur, die sie lächelt,
Und in der Nelke Balsamduft,
Wie süß ihr Odem fächelt.

Wenn ich auf jungbegraster Hut
Die frommen Lämmchen zähle:
Nicht minder, denk' ich, sanft und gut
Ist auch des Mädchens Seele!
Und seh' ich Täubchen, zwey und zwey,
Der Liebe froh genießen;
Ach! seufzt mein Herz, gleich warm und treu
Würd' ihre Lippe küßen.

Dann fühl' ich, daß von süßem Schmerz,
Ich durch und durch erwarme:
Mich dünkt, ich drücke sie an's Herz
Und halte sie im Arme!
Laut sagen mir dann Frost und Glut,
Die schauernd mich durchzücken,
Laut sagt mir jeder Tropfe Blut:
Dich kann nur Sie beglücken!

Allein das Bild, das spät und früh
Mir vor der Seele schwebet,
Ist's nur Geschöpf der Phantasie,
Aus Luft und Traum gewebet?
O nein! so warm auch Liebe mir 
Das Engelbildniß mahlet;
Ist's doch nur Schatten von der Zier,
Die an dem [Urbild]1 strahlet.

An einem nur, an Fühlbarkeit,
Wird dieses übertroffen:
Wenn jenes Herz und Hand mir weiht,
Läßt kaum das Urbild - hoffen!
O Mädchen, lerne von dem Bild
Den süßesten der Triebe:
Sey wie dein Bildniß hold und mild,
Und lächle, lächle - Liebe!

F. Schubert sets stanzas 1, 2, 7

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Confirmed with Erstlinge unserer einsamen Stunden von einer Gesellschaft, Zweytes Bändchen. Prag, gedruckt bey Johann Diesbach, 1792, pages 141-143. The author of the poem is abbreviated "S**".

1 Schubert: "Mädchen"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "La imatge", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Het beeld", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The picture", copyright ©
  • ENG English (Malcolm Wren) , "The image", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le portrait", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

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Last modified: 2017-05-31 14:16:20
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Word count: 347

Le portrait
Language: French (Français)  after the German (Deutsch) 
C'est une jeune fille qui, jour et nuit,
Flotte devant mon âme,
Une jeune fille, comme si elle était debout et allait,
Faite de charmes célestes.

Je la vois quand à travers ma fenêtre
Le matin naissant brille doucement,
Je la vois quand aimablement, comme le portrait,
L'étoile du soir me fait des signes.

Elle me suit, fidèle compagne,
Dans le repos et dans la cohue,
Je la trouverais au centre de la terre,
Je la trouverais même au ciel.

Elle flotte devant moi dans les champs et le bois,
Resplendissante au-dessus des parterres de fleurs,
Et brillante sous la forme d'un séraphin
Sur l'autel où je prie.

Mais ce portrait, qui jour et nuit
Flotte devant mon âme,
Est-il seulement une créature de l'imagination,
Faite d'air et de rêves ?

Oh, non, car aussi doux qu'est l'amour
Que ce portrait angélique peint,
Ce n'est qu'une ombre d'ornement
Qui rayonne de la jeune fille.

Authorship

  • Translation from German (Deutsch) to French (Français) copyright © by Guy Laffaille, (re)printed on this website with kind permission. To reprint and distribute this author's work for concert programs, CD booklets, etc., you may ask the copyright-holder(s) directly or ask us; we are authorized to grant permission on their behalf. Please provide the translator's name when contacting us.
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Based on

 

Text added to the website: 2010-09-03 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:03:58
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