by Friedrich Heinrich Oser (1820 - 1891)

Als ich sie sah zum ersten Mal
Language: German (Deutsch) 
Als ich sie sah zum ersten Mal
Gleich eine Rose prangen,
Wie wunderlich, wie wunderlich
Ist's meiner Seel' ergangen!
Die wollt' vor übergroßer Lust
Gleich ihre Flügel heben
Und sturmesschnell aus meiner Brust
Zum Himmelreich entschweben!

"Du liebe Seel', das mag nicht sein,
Fein hübsch bleib' mir zu Hause!"
Sie stürmte hin, sie stürmte her
In ihrer dumpfen Klause,
Sie härmte sich und grämte sich,
Ach Gott! daß ich gefangen! 
So wunderlich, so wunderlich
Ist's meiner Seel' ergangen.

Und als die Liebste sprach zu mir:
"Dich lieb' ich, wie mein Leben!"
Und mir die Reine hold verschämt
Den ersten Kuß gegeben,
Und sie in sel'ger Liebeslust
Mich an ihr Herz gezogen --
Hilf Gott! da war aus meiner Brust
Die Seele mir entflogen! 

Und in der Liebsten Busen rein
Ließ sie sich selig nieder,
Da wohnt sie nun ihr Leben lang,
Kehrt nimmer, nimmer wieder,
So muß ich nun mit guter Grund
Allstund zur Liebsten gehen,
Und still durch ihrer Augen rund
Nach meiner Seele sehen.

Wenn einst mein Lieb im Grabe liegt,
Wohl unterm grünen Rasen,
O Scheidenoth, du Herzeleid!
Wie werd ich's können fassen?
Da säum' ich wohl nicht lange mehr,
Der Liebsten nachzuschweben:
Es kann ein Mensch ja nimmermehr
Ohn' seine Seele leben!

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Confirmed with Deutscher Musenalmanach für das Jahr 1850, Nürnberg: Bauer und Kaspe, 1850. Pages 162 - 163.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-05-09
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