by Pauline von Brochowska (1794 - 1853), as Theophania

Wie die leichten Wolken ziehen
Language: German (Deutsch) 
Wie die leichten Wolken ziehen
rastlos ohne Aufenthalt,
immer weiter, weiter fliehen
über Berg und Tal und Wald,
also zieht ein endlos Sehnen
mich zu schönen Auen hin,
und ich weine heiße Tränen,
dass dem Ziel so fern ich bin.

Denn gebannet wie die Pflanze
auf dem Boden, der sie trägt,
strahlend bald im Sonnenglanze,
bald von Sturmeswut bewegt,
so gekettet ist mein Leben
an die Flur, die es erzeugt,
bald von Wonn' und Lust umgeben,
bald von Schmerz und Gram gebeugt.

Möchte mit den Wolken ziehen,
ach, und bin gefesselt hier!
Möchte meinem Gram entfliehen,
doch mein Gram ist stets mit mir!
Soll ich Trennungsschmerz bezwingen,
Körper hier und Seele dort,
o so nehmt auf euren Schwingen,
Wolken, die Erinn'rung fort!

Tragt sie hin zu fernen Landen,
hin zu meinem höchsten Glück,
sagt, dass ich in engen Banden
ihr gefolgt mit nassem Blick!
Sprecht von meinem treuen Herzen,
von vergang'ner Seligkeit,
von der Sehnsucht tiefen Schmerzen,
denen ganz mein Sein geweiht.

Flüstert von des Abschieds Stunden,
fragt, ob Wiederseh'n noch fern!
Denn das Herz kann nicht gesunden,
strahlt nicht bald ihm dieser Stern.
Darum, liebe Wolken, fliehet
über Berg und Tal und Wald;
immer weiter, weiter ziehet
ohne Rast und Aufenthalt!

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Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-08-23
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