by Felix Ludwig Julius Dahn (1834 - 1912)

Der Wildbach an die Blume
Language: German (Deutsch) 
Sinkende Blume, was willst du von mir?
Ruhe und Treu', -- nie verhieß ich sie dir,
  Konnte sie nimmer verheißen! 
Ich bin ein flüchtiger, flüssiger Pfeil,
Sturm ist mein Leben und Braus ist mein Theil,
  Und mein Kuß ein verderblich Zerreißen! 

Was hast du so nickend vom Ufer geschaut?
Was hast du der werbenden Woge vertraut?
  Sie redete nicht von Frieden! 
Ob nun vor dem schäumenden Freier dir graut, --
Nun bist du des Stromes erkorene Braut,
  Mir bist du verwirkt und beschieden!

Was klagst du mich an, was verlangst du zurück? 
Nur sprudelndes Vorwärts ist Leben und Glück,
  Ich kenne kein sanftes Verweilen.
Kann nicht lauschen auf dich und dein flüsterndes Weh, --
Hörst du die ferne, die brandende See?
  Sie ruft mich, zu ihr muß ich eilen! 

Doch klage nicht! Achte dein Los für Gewinn:
Und zieht's dich verschlingend zur Tiefe dahin,
  Und wirst du nimmer genesen: --
Du gehörtest dem Starken in schäumender Lust
Und sinkst du mir todt von der brausenden Brust, --
  Eine Königin bist du gewesen! 

Confirmed with Gedichte von Felix Dahn. Zweite Sammlung, Dritte, durchgelehene und verbesserte Auflage. Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel, 1883, p. 304.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2013-10-08 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:04:19
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