Die Freuden der Gegenwart
Language: German (Deutsch) 
 Laßet die Rosenumkränzeten Stunden
 Bei den ätherischen Schwingen umfassen,
 Schnell wie vorüber die eilenden fliehn.
 Wenn wir sie läßig entschlüpfen uns lassen,
 Sind auch auf immer die Holden verschwunden;
 Welche sich zürnend dem Trägen entziehn.
   Haschet im Fluge den Augenblick,
   Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

 Laßt in die jugendlich flatternden Haare
 Blühende Zweige der Mirte uns schlingen.
 Fesselt die Locken mit sanfter Gewalt,
 Eh von der Scheitel mit sparsamen Ringen
 Endlich gebleichet vom Hauche der Jahre
 Silbernes Haar in den Nacken uns wallt.
   Haschet im Fluge den Augenblick,
   Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

 Laßet, vergönnet uns Phöbus die Leier,
 Heiter sie immer und fröhlich ertönen.
 Freuden der Gegenwart singen sie nur,
 Diese nur kann mit den Schicksal versöhnen,
 Denn un das künftige wallet ein Schleier,
 Und es verweht der Vergangenheit Spur.
   Haschet im Fluge den Augenblick,
   Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

 Laßet den Leidenden tröstend sich sagen:
 »Zukunft, die Ferne, nur krönet mein Hoffen,
 Heitere Hoffnung betrüget den Schmerz -«
 Jedem Geschenke der Gegenwart offen,
 Jeglicher Freude mit zitterndem Schlagen
 Bebe das leise bewegliche Herz.
   Haschet im Fluge den Augenblick,
   Freunde, er kehret euch nimmer zurück.

 Aber, o laßt uns den Becher der Freuden
 Immer mit mässiger Lippe berühren,
 Wenn ihn die Hore, die Freundliche reicht:
 Nie im Genuße sich selbst zu verlieren,
 Und in den Armen des Glückes bescheiden,
 Weise zu bleiben, ist weniger leicht.
   Bringe den fliehenden Augenblick
   Nimmer die quälende Reue zurück.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2014-06-16 10:01:33
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