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by Moses Mendelssohn (1729 - 1786)

Die Katzen und der Hausherr
Language: German (Deutsch) 
Murner, eine Cyperkatze,
Gab unlängst den Güldeschmauß,
Und ersahe sich zum Platze
Eines Bürgers Wohnung aus. 

Mensch und Thiere schliefen feste,
Selbst der Hausprophete schwieg,
Als ein Schwarm geschwänzter Gäste
Von den nächsten Dächern stieg. 

Murner kömmt sie zu begrüßen,
Führt sie drauf in einen Saal,
Und setzt jeden auf ein Küssen
Von dem feinsten Katzenzahl. 

Sechzig feiste Mäusezimmel
Machten die Versammlung satt,
Ob gespickt, das weiss der Himmel;
Jeder gibt, so gut er's hat. 

Von der Mahlzeit ging's zum Tanze,
Wo der Wirth sich hören ließ,
Und auf einem Rattenschwanze
Manch verliebtes Stückchen bließ. 

Hinz, des ersten Schwiegervater,
Sang darein erbärmlich schön.
Und zweien abgelebte Kater
Quälten sich, ihm beyzustehn. 

Jetzo tanzen alle Katzen,
Poltern, lermen, daß es kracht,
Zischen, heulen, sprudeln, kratzen,
Bis der Herr im Haus erwacht.  

Dieser springt mit einem Stecken
In den finstern Saal hinein,
Schlägt um sich, sie zu erschrecken,
Schmeisset einen Spiegel ein.

Stolpert über ein'ge Spähne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr,
Und zerbricht zwei Reihen Zähne.
Blinder Eifer schadet nur.

Confirmed with Moses Mendelssohn's gesammelte Schriften in sieben Bänden, vierten Bandes erste Abtheilung, Leipzig: F. A. Brockhaus, 1844. Appears in Vier Bücher Äsopischer Fabeln, pages 300 - 301.


Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2018-08-18
Line count: 36
Word count: 169