Gesang
Language: German (Deutsch) 
Gott!  Für des Gesanges Gabe
Sei dir hoher Dankt geweiht.
Sang versüßt uns Lust und Leid
Von der Wiege bis zum Grabe.
Segenvoll und ruhebringend
Muß wohl ein Naturlied sein:
Guten Mütter lullen singend
Ihren holden Säugling ein.

Ihren zarten Liebling schaukeln
Mütter singend auf dem Knie.
Ach, ihm werde Lenze nie
Künftig so vorübergaukeln.  --
Schön erklingt zur Hirtenflöte 
Junger Schäferinnen Chor,
Und im Glanz der Abendröthe
Steigt der Schnitter Lied empor. 

Hier beim stillen Hochzeitfeste
Spornt des Jünglings Hang und Drang,
Bis zum frohen Rundgesang
Sich vereinen alle Gäste.
Seht, die stummen Träger ziehen
Weinend mit der Leiche dort
Unter Trauermelodien
Zu der letzten Heimath fort. 

Fernher aus des Domes Hallen
Hört zum ernsten Orgelklang
Feierlichen Bußgesang
Tief gerührt der Pilger schallen.
Auf!  ihr Vaterlandessöhne;
Laßt uns Deutsche sein und frei.
Magisch locken Kriegestöne
Euch zu Kampf und Sieg herbei. 

Paradieses Zauberklänge
Hört, wer stirbt, in Phantasie'n,
Ach, und dort empfangen ihn
Himmlischer Triumphgesänge.  --
So geleitet bis zum Grabe
Uns Gesang in Lust und Leid.
Gott!  für des Gesanges Gabe
Sei dir hoher Dank geweiht.

Confirmed with Morgenblatt für gebildete Stände, neunter Jahrgang, Tübingen: J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1815. Appears in issue no. 10, dated Donnerstag, 12 Januar 1815, page 37; and confirmed with Gedichte von Friedrich Haug, erster Band, Leipzig und Hamburg: G. J. Göschen [Leipzig] und Hoffman & Campe [Hamburg], 1827. Appears in Heitre und Scherzhafte Lieder, pages 227 - 228.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2018-10-20 00:00:00
Last modified: 2018-10-20 00:07:02
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