Am Kamin
Language: German (Deutsch) 
Stürme, December, vor meinem Gemach,
Hänge Zapfen von Eis an das Dach,
Nichts doch weiß ich vom Froste; 
Hier am wärmenden, trauten Kamin
Ist mir, als ob des Frühlings Grün
Rings um mich rankte und sproßte.

All das Gezweig, wie es flackert und flammt,
Plaudert vom Walde, dem es entstammt,
Redet von seligen Tagen,
Als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüthen voll Glanz und Duft,  
Grünende Blätter getragen. 

Fernher hallenden Waldhornklang
Glaub' ich zu hören, Drosselgesang,
Sprudelnder Quellen Schäumen,
Tropfenden Regen durch's Laubgeäst,
Der die brütenden Vögel im Nest
Weckt aus den Sommerträumen. 

Stürme denn, Winter, eisig und kalt! 
An den Kamin herzaubert den Wald
Mir den Flammen Geknister,
Bis ich bei Frühlingssonnenschein
Wieder im goldgrün schimmernden Hain
Lausche dem Elfengeflister.

Confirmed with Gedichte von Adolf Friedrich von Schack, Berlin: Wilhelm Hertz, 1867, pages 362 - 363.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2017-09-03
Line count: 24
Word count: 122