by Christoph Joseph Matzerath (1815 - 1876)

Der Tod der Rose
Language: German (Deutsch) 
Die Rose, das wunderliebliche Ding, 
Stand mitten in herrlichsten Blütentagen;
Goldkäfer hatte und Schmetterling 
Sich werbend als Ritter ihr angetragen.
Sie schüttelte stolz das Köpfchen: Nein! 
Der Glanz ohne Duft, ohne Wärme der Schein,
Das Flittern und Flattern gefällt mir nicht,
Ich liebe das reine, das himmlische Licht.

Just kam von Morgen ein funkelnder Strahl,
Das jüngste Kind der Sonne, geflogen;
Den barg sie im Schooße voll Wonne und Qual 
Und hat fein glühendes Leben gesogen; 
Als aber die Sonne am Himmel versank,
Da wurde die leuchtende Rose krank,
Und erdwärts neigte der trauernde Stiel
Die Krone, der Blatt um Blatt entfiel.

Es summte der Käfer zürnend: O weh, 
Wie hat dich dein blendender Schatz mißhandelt! 
Der Schmetterling säuselte: Röslein, ade,
Wie ist nur dein duftiges Wesen verwandelt! 
Sie hob sich noch einmal: Ich hab' es gewußt, 
Mit dem Leben entgelt ich die himmlische Lust;
Du hoher, in Ewigkeit glänzender Stern, 
Dein Licht, ich empfing es; so scheide ich gern.

Confirmed with Christoph Joseph Matzerath, Nachgelassene Gedichte, Köln: Verlag der M. Dumont-Schauberg'schen Buchhandlung, 1877, page 41.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2012-07-04
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