by Heinrich Konrad Hölscher (1723 - 1800)

Moselwein‑Lied
Language: German (Deutsch) 
Als Gott der Herr den Wein erschuf 
Entstanden manche Arten, 
Und jeder Wein hat seinen Ruf, 
Vom süßen bis zum harten. 
Vor allem unser Moselwein, 
Denn dieser wollt ein Mädchen sein.  

Und hast du keinen Zeitvertreib, 
Als etwa tausend Grillen, 
Nimm Moselblümchen dir zum Weib, 
Und kose still im Stillen. 
Der Moselwein macht Greise jung 
Und fesselt die Begeisterung. 

Und frohe Kreise schafft er sich, 
Schafft friedliches Behagen, 
Er ist kein Bruder Liederlich 
Und weiß sich zu betragen. 
Des Mosellandes Rebensaft 
Bringt dir Gesang und Brüderschaft.  

Am Rheine gibt es schwer Geschoß, 
Das wirft zu Boden nieder, 
Der Franken Weine schäumen bloß 
Und bocken hin und wieder. 
Hast du daher am Trinken Lust, 
Nimm Moselblümchen an die Brust! 

Das ist ein Tränkchen regelrecht, 
Läßt seine Freunde leben, 
Man soll sich doch nicht wie ein Knecht 
Sogleich gefangen geben. 
Der Moselwein gewährt dir Zeit 
Zur Liebe und zur Seligkeit. 

Er hat den schönsten Maiengruß 
Dem Frühling abgerungen, 
Des Herbstes warmer Feuerkuß 
Ist ihm ins Herz gedrungen:
Dem Kräuterduft, dem Sonnengold, 
Dem Moselweine sind wir hold!  

Frisch, laßt uns bei dem durst'gen Lied 
Die vollen Gläser leeren! 
Der uns den Moselwein beschied, 
Will, daß wir ihn verehren. 
Hier diesen Kuß der ganzen Welt!  --  
Ein Schelm, der nicht Parole hält. 

Confirmed with Rheinlieder, ed. by Karl Hessel, Coblenz: W. Groos' Hofbuchhandlung, 1894, pages 218 - 219.


Authorship:

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive):


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2020-02-29
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