by Paul Gerhardt (1606 - 1676)

Dem Gott aller Gnade
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Wer ist so gnädig, Herr, wie Du?
      Wer kann so viel erdulden?
Wer sieht mit solcher Langmuth zu
      So vielen schweren Schulden,
Die aus der ganzen weiten Welt
Ohn' Unterlaß bis an das Zelt
      Des hohen Himmels steigen?

2. Es muß ein treues Herze seyn,
      Das uns so hoch kann lieben,
Da wir doch Alle, Groß und Klein,
      Des Bösen viel verüben!
Gott kann nicht anders seyn als gut,
Daher fließt seiner Güte Fluth
      Auf alle seine Werke.

3. Drum Herr, so sollen Dir auch nun
      All' deine Werke danken;
Voraus die Heil'gen, deren Thun
      Sich hält in deinen Schranken;
Die sollen deines Reichs Gewalt
Und unvergängliche Gestalt
      Mit tausend Zungen rühmen!

4. Sie sollen rühmen, daß dein Ruhm
      Durch alle Welt erklinge,
Daß Jedermann zum Heiligthum
      Dir Dienst und Opfer bringe.
Dein Reich das ist ein ew'ges Reich,
Deß Herrschaft ist dir selber gleich,
      Der du kein End' erreichest!

5. Der Herr ist bis in unsern Tod
      Beständig bei uns Allen,
Erleichtert unsers Kreuzes Noth,
      Und hält uns, wenn wir fallen;
Er steuert manchem Unglückslauf,
Und hilft uns freundlich wieder auf,
      Wenn wir darniederliegen.

6. Herr, Aller Augen sind nach Dir
      Und deinem Stuhl gekehret,
Denn Du bist's ja, der Alles hier
      So väterlich ernähret.
Du öffnest deine milde Hand,
Machst froh und satt, was auf dem Land,
      In Meer und Lüften lebet.

7. Du meinst es gut, und thust uns Guts,
      Auch da wir's oft nicht denken.
Wie Mancher ist betrübten Muths,
      Verzehrt sein Herz mit Kränken!
Er sorgt und fürchtet Tag und Nacht,
Gott lass' ihn gänzlich aus der Acht,
      Und habe sein vergessen.

8. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht,
      Er hält uns Bund und Treue;
Sein Herz denkt stets im Himmelslicht,
      Daß er uns noch erfreue.
Geht's auch zuweilen wunderbar,
Ist er doch heilig immerdar,
      Gerecht in seinen Wegen.

9. Der Herr ist nah', und stets bereit
      Jedwedem, der ihn ehret,
Und wer nur ernstlich zu ihm schreit,
      Der wird gewiß erhöret.
Gott weiß wohl, wer ihm hold und treu;
Und Dem steht er auch herrlich bei
      In allen seinen Nöthen.

10. Den Frommen wird kein Gut versagt,
      Gott thut, was sie begehren;
Er weiß das Unglück, das sie plagt,
      Und zählt all' ihre Zähren;
Er wendet endlich ihre Last,
Dem aber, der sie kränkt und haßt,
      Wird er das Urtheil sprechen.

11. Dieß Alles, und was sonsten mehr
      Lob, Dank und Preis kann bringen,
Das soll mein Mund, zu Ruhm und Ehr'
      Des Höchsten, täglich singen,
Und also thu' auch immerfort,
Was lebt und webt an jedem Ort!
      Das wird Gott wohlgefallen.

Confirmed with Christen-Lieder. Eine Auswahl geistlicher Gesänge aus älterer und neuerer Zeit, bearbeitet von Albert Knapp, Stuttgart: J.F. Steinkopf'sche Buchhandlung, 1841, pages 34-35.

Part of the eighth stanza is quoted by Josephine Lang in Die Augen der Blinden werden aus dem Dunkel und Finsterniss sehen

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • ENG English (Sharon Krebs) , title 1: "To the God of all Mercy", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2013-01-18
Line count: 77
Word count: 428