Der junge Rhein
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Was brausest du über die Felsen geschwind,
Du schaumbekränztes, du tolles Kind?
Was eilest du ohne Rast und Ruh,
Aus den dunklen Bergen der Ebene zu?
Deine Wogen, sie singen und rauschen im Traum
Und achten der schönen Heimat kaum;
   Halt ein, halt ein, 
Du ungestümer, du junger Rhein! 

Das Waldesdunkel, das Maiengrün, 
Die Bäume, die schimmernd am Ufer blühn, 
Der blaue Himmel, die klare Luft,
So frisch und würzig von Frühlingsduft, 
Sie sprechen verlockend und kosend zu dir:
"Geh nicht in die Fremde, o bleibe hier!"
   Halt ein, halt ein, 
Du ungestümer, du junger Rhein!

O, eile nicht schäumend von Ort zu Ort
Aus der bergichten Heimat zur Fremde fort,
Wo an deinen Ufern der Kampf entbrennt
Und bebend man deinen Namen nennt!
Hier ahnst du noch nichts von Schlacht und Tod,
Kein Blut färbt hier deine Wellen roth;
   Halt ein, halt ein,
Du ungestümer, du junger Rhein!

Confirmed with Vorarlberg. Land und Leute, Geschichte und Sage im Lichte deutscher Dichtung. Eine Blumenlese von Hermann Sander, Innsbruck: Verlag der Wagner'schen Universitäts-Buchhandlung, 1891, pages 71-72.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The young Rhine", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

This text was added to the website: 2020-09-03
Line count: 24
Word count: 149