Fünf Lieder für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by Theodor Raillard (1864 - 1929)

Word count: 577

1. Adler und Lerche [sung text not yet checked]

Könnt ich steigen,
Dem Adler gleich, 
Der kommenden Sonn' entgegen,
Die Brust getaucht
In Morgenroth,
Badend in Glanz des Aethers,
Weil in Tiefen 
Die Nacht noch träumt, 
Dem erwachenden 
Auge der Welt 
Den ersten Blick entsaugen! 

Oder fliegen, 
Der Lerche gleich, 
Nach, der scheidenden Sonne nach,
Über der stillen Schöpfung, 
Angeglühet 
Vom letzten Stral, 
Die Seel' im Liede verhauchend,
Verschwebend, 
Verschwirrend 
In Ätherduft,
Niemehr wieder 
Zur Erd' hernieder! 

Aber ach! 
Der Adler, der 
Der Sonn' ins Angesicht geschaut,
Senkt den Fittig 
Aus Himmelsglanz,
Um in dunkeler Tiefe 
Nach der Beute des Tags zu spähn.
Und die Lerche 
Aus den Wirbeln 
Ihres Himmelsgesanges 
Sinkt ermattet 
Zum Boden wieder, 
Wo sie das Nest für die Nacht gebaut.

Kann kein erdegeborner 
Flügelbegabter 
Heldensinn, 
Sängergeist,
Den Banden der niedren Mutter 
Ganz entfliehn,
Dem edlen Vater 
Lichte zu? 

Liebe setzte die Schwingen 
Der Begeisterung 
An mein Herz, 
Und es flog 
Der Sonne zu, 
Bis die Fittige 
Schmolzen, 
Seinen Höhen 
Entstürzend 
Es ins Meer der Beschämung sank. 

Und es klagte.
Doch die Liebe 
Sprach, die Schwing' ihm erneuend:
Andre geb' ich 
Dir, die schwache 
Aber himmlische 
Freundin, nicht. 
Stärkre, die nicht 
Wieder schmelzend, 
Noch Erneuung bedürfend,
Sicheren Flugs dich 
Allen Sonnen 
Vorüber tragen,
Der höchsten zu,
Gibt mein stärkerer 
Zwillingsbruder 
Tod dir einst.

Authorship

Note: modernized spelling would change "Stral" to "Strahl", etc.

Confirmed with Friedrich Rückert's Gedichte, Auswahl des Verfassers, Frankfurt am Main, Druck und Verlag von Johann David Sauerländer, 1841, pages 447-449.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Die drei Zigeuner [sung text not yet checked]

Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide,
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.

Hielt der eine für sich allein
In den Händen die Fiedel,
Spielt', umglüht vom Abendschein,
Sich ein [feuriges]1 Liedel.

Hielt der zweite die Pfeif' im Mund,
Blickte nach seinem Rauche,
Froh, als ob er vom Erdenrund
Nichts zum Glücke mehr brauche.

Und der dritte behaglich schlief,
Und sein Zymbal am Baum hing;
Über die Saiten der Windhauch lief,
Über sein Herz ein Traum ging.

An [den]2 Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken;
Aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.

Dreifach haben sie mir gezeigt,
Wenn das Leben uns nachtet,
Wie man's [verraucht, verschläft]3, vergeigt,
Und es dreifach verachtet.

Nach den Zigeunern [lang']4 [noch schaun
Mußt ich]5 im Weiterfahren,
Nach den Gesichtern dunkelbraun,
[Den]6 schwarzlockigen Haaren.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "The three Gypsies", copyright ©
  • ENG English (Walter A. Aue) , "The Three Gypsies", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Arthur Westbrook) , "The three gypsies"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les trois tsiganes", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "Os três ciganos", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Gund, Liszt, Shoeck: "lustiges" (from another version of Lenau)
2 Gund, Schoeck: "die" (from another version of Lenau)
3 Gund, Liszt, Schoeck: "verschläft, verraucht"
4 Edelmann, Gund, Schoeck,: "lange"
5 Gund, Liszt, Schoeck: "noch/ Mußt ich schaun"
6 Gund, Liszt, Schoeck: "Nach den"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Es stehen unbeweglich [sung text not yet checked]

Es stehen unbeweglich
die Sterne in ihrer Höh',
viel tausend Jahr, und schauen
sich an mit Liebesweh.

Sie sprechen eine Sprache,
die ist so reich, so schön;
doch keiner der Philologen
kann diese Sprache verstehn.

Ich aber hab sie gelernet,
und ich vergesse sie nicht;
mir diente als Grammatik
der Herzallerliebsten Gesicht.

Authorship

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Confirmed with Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827, page 116.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Pierre Mathé [Guest Editor]

4. Waldesgang [sung text not yet checked]

Im Waldesweben ist es Ruh,
Die [Veiglein thun]1 die Augen zu,
Der Drossel letzter Sang verhallt -- --
Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

Es dämmert leis -- feucht fällt der Thau,
Feucht ist dein Aug', du schöne Frau,
[Und]2 Alles stumm - kein Laut erschallt -- --
Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

Mir graut, mir graut, du süße Fee,
Vor all' der Schönheit, die ich seh',
Mein Herz so heiß, dein Herz so kalt -- 
-- Und nur wir Zwei sind noch im Wald!

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hochland-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, Meyer & Zeller's Verlag (Friedrich Vogel), 1879, page 103.

Note: titled "Waldesgang" in the 1908 edition.
1 in the 1908 edition: "Vöglein tun"
2 1908 version: "'s ist"; Thuille: "S'ist"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Der Einsiedler an die Nacht [sung text not yet checked]

[Komm]1, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so [müd']2 gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De eenzaat", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Come, comfort of the world, you still night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le solitaire", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Vieni , notte silenziosa", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 von Wilm: "Komme"; further changes may exist not shown above.
2 Reinthaler: "trüb"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]