Liebesfrühling. 17 Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert

Song Cycle by Robert Kahn (1865 - 1951)

Word count: 1564

1. Du bist die Rose meiner Liebe [sung text not yet checked]

Du bist die Rose meiner Liebe,
Die Ros' auf meines Herzens Flur
Es waren andre Blumentriebe
Vorahnung meiner Rose nur.
Es kam der Flor, daß er zerstiebe,
Verschwinden mußte jede Spur,
Daß Raum für meine Rose bliebe,
Die mir zu bleiben ewig schwur.

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2. Sie sprach: Erschrick nicht, sie ist dein [sung text not yet checked]

Sie sprach: Erschrick nicht! sie ist dein,
Ist dein auf Tod und Leben.
Ich sprach: Und bist du, bist du mein?
Wie sollt' ich denn nicht leben?

Wie sollt' ich die Unendlichkeit
Der Lieb' am Busen tragen
Und von der neuen Seligkeit
Nicht überwältigt zagen!

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3. Wie viel Lüftlein auf den Höh'n [sung text not yet checked]

[Wieviel]1 Lüftlein auf den Höhn,
Wieviel Bächlein im Thale gehn
Über die grünen Haiden;
Wieviel Sternlein am Himmel flittern,
Wieviel Blättlein an Bäumen zittern;
Soviel Wünsche send' ich nach dir
In Schmerzen und zitternden Freuden.

Wär' ich der goldene Sonnenschein,
Jeder Stral ein Gedanke mein,
Und jeder Schimmer ein Sehnen,
Wollt' ich mit einem Flammenkranz
Dir umflechten die Locken ganz,
Daß du straltest als meine Braut
Die schönste von allen Schönen.

O wenn ich dürfte die Hüttz seyn,
Die sich über dich senkt herein,
Dich enge zu umfassen!
Wie dein Leib in der stillen Hütte,
Wohnt dein Geist mir in Herzens Mitte;
Thür und Thore verschlossen sind,
Du kannst dein Haus nicht verlassen.

Wenn der Durst mich drückt auf den Wegen,
Springt ein kühler Quell mir entgegen,
Deine Liebe, da trink' ich;
Wenn ich wandre in finstrer Nacht,
Ist die Fackel mir angefacht,
Seh' ich voraus mir die Fackel ziehn,
Nimmer matt' ich noch sink' ich.

Wenn ich wär' in der neuen Welt,
Vor mir die endlose Meerflut geschwellt,
Rief' ich hinaus in das Grausen,
Daß sie es sagte zu fernen Klippen,
Und die es sagten mit steinernen Lippen
Über Berge, Wälder und Thal,
Bis du es vernähmest mit Brausen.

Rufen will ich in Frühlingshainen
Meinen Namen und den deinen,
Daß ihn die Vögelein lernen;
Fliegen sie hin auf ferner Bahn,
Wo ich ihnen nicht folgen kan,
Wenn sie dir bringen den Gruß von mir,
Rufe mir Dank in die Fernen! 

Wenn du nicht weißt, was die Bächlein sagen,
Denke nur, sie wollen klagen,
Daß wir uns mußten scheiden;
Wenn ein Busch seine Zweige senkt,
Denke nur, daß er sich kränkt,
Daß er nimmer auf grünem Moos
Schatten kann streun uns beiden. 

Wenn der Herbst die Lilien bricht,
Denk' und weine, so zu nicht
Ist uns worden [die]2 Liebe;
Wenn der Frühling aus Schnee und Eis
Wieder rufet das grüne Reis,
[Denke, so aus der Trennung soll
Wieder uns blühn die Liebe.]3

Wenn du die glühende Rose pflückst,
Und sie warm an den Busen drückst,
Gedenke, wie ich dich liebe!
Hundert Blätter die Rose hat,
Und es steht auf jedem Blatt
[Geschrieben mit Herzblut und Morgenroth:
Liebst du mich, wie ich dich liebe?]4

O ihr Blumen, du stille Schaar,
Hütet die Liebste mir immerdar
Mit euern Engelsaugen ;
Nehmet von ihr den Liebesblick,
Und gebt eueren ihr zurück ;
Laßt bald mich wieder aus euch und aus ihr
Neu seliges Leben mich saugen!

Authorship

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1 Kahn: "Wie viel"
2 Reinthaler: "unsere"
3 Reinthaler: "O so denk aus der Trennung Schmerz/ Soll neu uns erblühn die Liebe."
4 Reinthaler: "Meiner Treue heilige Glut,/ O liebe mich, wie ich dich liebe?"

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4. Hier, wo vom kühlen Schatten [sung text not yet checked]

Hier, wo vom kühlen [Schleier]1 
Des Ahorns überwebt, 
Am grünumschilsten Weiher 
Die Moosbank sich erhebt; 

Wo aus des Weihers Spiegel
Der Abendhimmel glüht,
Und still der Eichenhügel
Aus Duft herüber sieht;

Hier sitz' ich, und es wanken
In Zephyrs leisem Weh'n 
Um mich die Blütenranken 
Mit flüsterndem Getön. 

O Schätzchen, dem verlangend 
Mein Herz entgegen schlägt,
O sieh', wie traut umfangend
Mich dieses Örtchen hegt! 

O komm, geliebtes Schätzchen,
Und ruhe du bei mir,
So ist das schönste Plätzchen 
Des schönen Gartens hier.

Authorship

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Confirmed with Gedichte von Friedrich Rückert, Neue Auswahl, zwei und zwanzigste Auflage, Frankfurt am Main, J. D. Sauerländer's Verlag, 1886, pages 253-254.

1 Kahn: "Schatten"; further changes may exist not shown above.


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5. Wenn die Vöglein sich gepaart [sung text not yet checked]

Wenn die Vöglein sich gepaart,
dürfen sie gleich nisten,
ohne Sorg', auf welche Art
sie sich werden fristen.

Ach, dass auch der Menschen zwei
also könnten wohnen
wie die Vöglein frank und frei
in den Laubeskronen!

Brauchte mit der Liebsten ja
nur ein kleines Nestchen:
doch kein Nahrungszweig ist nah,
der mir böt ein Ästchen.

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  • ENG English [singable] (E. Buek)
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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6. Liebster! nur dich seh'n, dich hören [sung text not yet checked]

Liebster! Nur dich sehen, dich hören
und dir schweigend angehören;
nicht umstricken dich mit Armen,
nicht am Busen dir erwarmen,
nicht dich küssen, nicht dich fassen -
dieses alles kann ich lassen,
nur nicht das Gefühl vermissen,
mein dich und mich dein zu wissen.

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  • ENG English [singable] (E. Buek)
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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7. Hier war's, in eurer Schattennacht [sung text not yet checked]

Hier wars, in eurer Schattennacht, ihr Linden,
Wo sich zuerst mein Licht mir sichtbar machte;
O lasset nun mich auch die Kühlung sinden
Der Flamme, die in eurem Schooß erwachte:
Führt liebend mir in euren Laubgewinden
Entgegen Sie, nach deren Gruß ich schmachte;
Auf daß ich rühmen kann: Von hier begonnen
Hat erst mein Weh, und dann auch meine Wonnen. 

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8. Scheuche doch mit deinem Pfeile [sung text not yet checked]

Scheuche doch mit deinem Pfeile,
Scheuch' in Eile,
Sonne, mein geliebtes Kind,
Daß sie flüchte in die Frische
Dieser Büsche,
Wo die schönen Schatten sind.

Wenn wir dann zusammenruhend,
Freundlich thuend,
Lauschen in der Waldesnacht,
Sollst du durch den Busch mit Neide,
Aus die Freude
Blicken, die du mir gebracht.

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9. Die ihr mit dem Odem linde [sung text not yet checked]

Die ihr mit dem Odem linde
Jedes Blümchen küßt und grüßt,
Sagt mir, laue Abendwinde,
Wo ihr jetzt mein Mädchen küßt?

Ob im Spiegel eines Quelles
Sich ihr klares Bildnis malt,
Oder ob das Antlitz helles
Abendrot ihr überstrahlt?

Ob sie Nachtigallen grüßen,
Wo sie froh durch Büsche eilt,
Oder neue Blumen sprießen,
Wo ihr sanfter Fußtritt weilt?

Flattert zu ihr, laue Winde,
Sagt ihr, daß ich harre schon;
Ihr zum Führer tragt geschwinde
Mit euch meines Liedes Ton.

Durch die blauen Lüfte webet
Abenddämm'rung, ruhig, mild,
Und vom Stern der Liebe bebet
Sanfter Schimmer aufs Gefild'.

Nur wo mich ihr Arm umfasset,
Lächelt mir der schöne Stern,
Und sein hellster Glanz erblasset,
O Geliebte, bist du fern.

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10. Ich sprach: du bist nun meine Welt [sung text not yet checked]

Ich sprach: Du bist nun meine Welt.
Sie sprach: Wie ist die Welt so klein.
Ob sie auf Dauer dir gefällt?
Sie sollte, furcht' ich, reicher seyn. 

Mein Freund! es wohnt in dieser Welt
Nur Liebe, Liebe, Lieb' allein;
Und wenn dich diese fest nicht hält,
So muß die Welt verloren seyn.

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11. Wenn ich durch die Fluren schweife [sung text not yet checked]

Wenn ich durch die Fluren schweife,
Jene suchend her und hin,
Die mich schlug in goldne Reife,
Der ich ganz zu eigen bin:

Welch ein Wünschen, welch ein Wähnen
Hebt die Seele trunken auf;
In die Wolken trägt das Sehnen,
In die Himmel mich hinauf.

Mit dem Vogel möcht' ich fliegen,
Auf den Sternen möcht' ich stehn,
Mich auf Windesfittich wiegen,
Brausend über Wipfel gehn!

Bis ich komme zu dem Örtchen,
Wo aus Büschen tief heraus
Mit dem beigelehnten Pförtchen
Winkt ihr kleines Hüttenhaus.

Schnell verflogen, schnell zergangen
Sind die Wünsche groß und klein,
Und die Sehnsucht kehrt gefangen
Still ins stille Hüttchen ein.

Authorship

Confirmed with Rückerts Werke herausgegeben von Georg Ellinger. Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut, 1897. Erster Band: pages 354 - 355.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

12. O süsse Mutter, ich kann nicht spinnen [sung text not yet checked]

O süße Mutter,
Ich kann nicht spinnen,
Ich kann nicht sitzen
Im Stüblein innen,
Im engen Haus;
Es stockt das Rädchen,
Es reißt das Fädchen,
O süße Mutter,
Ich muß hinaus.
 
Der Frühling gucket
Hell durch die Scheiben,
Wer kann nun sitzen,
Wer kann nun bleiben
Und fleißig sein?
O laß mich gehen,
[O]1 laß mich sehen,
Ob ich kann fliegen
[Wie]2 Vögelein.
 
O laß mich sehen,
O laß mich lauschen,
Wo Lüftlein wehen,
Wo Bächlein rauschen,
Wo Blümlein blühn.
Laß mich sie pflücken
Und schön mir schmücken
Die braunen Locken
Mit buntem Grün.
 
Und kommen Knaben
[Im]3 wilden Haufen,
So will ich traben,
So will ich laufen,
Nicht stille stehn;
Will hinter Hecken
Mich [hier]4 verstecken,
Bis sie mit Lärmen
Vorüber gehn.
 
Bringt aber Blumen
Ein frommer Knabe,
Die ich zum Kranze
Just nötig habe,
Was soll ich tun?
Darf ich wohl nickend,
Ihm freundlich blickend,
O süße Mutter,
Zur Seit' ihm ruhn?

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Oh sweet mother", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist) , "O dearest Mother"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "O dolce madre", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Wolf: "Und"
2 Wolf: "Wie's"
3 Wolf: "In"
4 Reinecke: "still"

Research team for this text: John Versmoren , Sharon Krebs [Guest Editor]

13. Sie haben mir den Liebsten ganz ermüdet [sung text not yet checked]

Sie haben mir den Liebsten ganz
Ermüdet durch Gespräch und Schmaus ;
In seinem Auge starb der Glanz;
Zerstört, unliebend, sah er aus. 

Ich nahm ihn heimlich bei der Hand,
Und führt' ihn fort zur Mittagsruh ;
Ich sah, indem ich vor ihm stand,
Ihm leise beim Entschlafen zu.

Die Liebe kehrt' in sein Gesicht,
Und Fried' und Lust, indem er schlief;
Den Bliek des Auges sah ich nicht,
Doch fühlt' ich ihn im Busen tief.

Authorship

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14. Eifersüchtig, Liebchen, ich? [sung text not yet checked]

Eifersüchtig, Liebchen, ich?
Auf wen könnt' ichs seyn, als mich?
Könnt' ichs auf bie Morgenluft,
Oder auf ben Blumenduft?

Als ich kargt' um Wort und Blick,
War es mir ein Mißgeschick,
Wenn sich einen Blick, ein Wort,
Trug von dir ein andrer fort.

Seit du mir dein süßes Leben
Ewig innig hast gegeben,
Weiß ich doch, du kannst es keinem
Weiter geben, als mir einem.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

15. Sie sprach: nur aus dem Vaterland nicht reisen! [sung text not yet checked]

Sie sprach: Nur aus dem Vaterland nicht reisen!
Ich sprach: Dein Busen ist mein Vaterland;
Und wenn du mich nicht wirst daraus verweisen,
So geh' ich nie aus meinem Vaterland.
Und gieng' ich unter fremden Himmelskreisen,
Ich bleibe doch in meinem Vaterland.
Stets bleibt mein Geist, wo ich auch geh' auf Reisen,
In deinem Busen, seinem Vaterland. 

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16. Da ich dich einmal gefunden [sung text not yet checked]

Da ich dich einmal gefunden,
kann ich dich nicht mehr verlieren.
Da du mich einmal umwunden,
Mußt als Kranz mich ewig zieren.
Dich nicht ahnte mein Verlangen,
Eh dich mir der Himmel gab;
Da ich dich von ihm empfangen,
Nimmt dich keine Welt mir ab.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

17. Erhalte, Gott, mir dies Gefühl [sung text not yet checked]

  Zu meinem Geburtstag,
  Dem sechzehnten Mai,
  Wünschte die Liebste
  Mir mancherlei.

Mit trunknem Wohlgefallen sog
Mein Ohr der Wünsche Schmeichelei.
Und als ihr Herz sich ausgewünscht,
Wünscht' ich mir selber dieß dabei:
Erhalte Gott mir dieß Gefühl
Der Lieb' im Busen wolkensrei,
Daß hell in jedem Augenblick
Mein Glück mir gegenwärtig sei.

Wie ich sie lieb' und sie mich liebt,
Wie ich ihr geb' und sie mir giebt,
Nie mich beglückt, die ich beglücke,
Wie mich entzückt, die ich entzücke,
Wie sie mich fühlt, die ich empsinde,
Wie sie mich hält, die ich umwinde,
Wie ich sie trage, sie mich hebt,
Wie ich ihr leb', und sie mir lebt.

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