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Kleine Balladen und Lieder, Heft VI

Word count: 4979

by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802)

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1. Ossians Sonnengesang [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship

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O die du rund, wie meiner Väter Schild,
Wandelst Sonne, Sonne dort oben, woher deine ewig Licht?
Von wannen quillt dein Strahlenstrom?
Mit Majestät erhaben trittst du herfür.
Da zittern zurück
Die dunklen Gestirne vom tagenden Himmel;
Frostig bleich fliehet der Mond, ins Abendwelten Gewimmel,
Finster vor deinem allherrschenden Blick. 

Einsam gehst du, angetan mit Lichte;
Wer in deinem Lauf giebt dir Geleit?
Von den Bergen stürzt die stolze Fichte,
Berge selbst zerstäuben vor der Zeit.
Gen Himmel steigt und niederfällt das Meer;
Aber du jauchzest unwandelbar herrlich daher.
Wenn durchs Dunkel zucken die Blitze,
Wenn Orkane heulen, durch die Felsenritze,

Hagel regnet, wenn der Donner kracht,
Und die Welt der Sturm begräbt in Nacht;
Schauest du aus deiner Wolkenwiege,
Lächelst du der Elemente Kriege.
Aber ach! für Ossian vergebens
Lächelst du, du Quelle alles Lebens;
nimmer sieht er deinen goldnen Strahl
Niederfliessen in das Morgental,

Nimmer dich umrauscht von Wellenschwarme 
Niederwiegen in des Abends Arme.
Doch o Sonne, wirst auch du vielleicht
Sonne ach! wie Ossian verschwinden?
Daß auch deine Jugendkraft entweicht,
Daß auch einstens deine Tage enden,
Daß du schläfst in deiner Wolkengruft,
Hörest nimmer, wenn der Morgen ruft.

O so freu dich deiner Jugendschöne;
Bleich und unhold ist des Alters Miene,
Düster, wie wenn Mondenlicht
Durch zerissne Winterwolken bricht,
Wenn hinauf der Nebel strömt am Hügel,
Durch die Ebne rasselt Nordwinds Flügel,
Und in Mitte seiner Fahrt
Der Wanderer erstarrt.


Submitted by Emily Ezust

2. Grablied [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): ENG FRE

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Authorship


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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Linda Godry) , "Tomb-song", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chant funèbre", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission


Auch des Edlen schlummernde Gebeine
Hüllt das Dunkel der Vergessenheit
Moos bedeckt die Schrift am Leichensteine,
Und sein Name stirbt im Lauf der Zeit.

Wann erwacht die neue Morgenröte?
O wann keimt des ew'gen Frühlings Laub?
Niedrig ist der Toten Schlummerstätte
Eng und düster ihr Gemach von Staub!

Noch umkränzen Rosen meine Locken,
Liebe lächelt alles um mich her;
Nach dem letzten Klang der Sterbeglocken
Denkt kein Mensch des guten Jünglings mehr.


Confirmed with Friedich Matthissons Gedichte, herausgegeben von Gottfried Bölsim - Band I : Die Gedichte von 1776- 1794, Tübingen, 1912; Band II : Die Gedichte von 1795-1831, Tübingen, 1913.


Submitted by Emily Ezust

3. Yoduno [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship


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"Vertraue mir, Yoduno!
O sage was dir ist,
Daß du so traurig bist?"
Dir sagen, was mir ist?
Mich kümmert nicht mein Fieber,
Das plötzlich geht wie kommt.
Ein Übel drückt mich, Lieber!
Wo keine Heilung frommt.

"Vertraue mir, Yoduno!
O sage was dir ist,
Daß du so traurig bist?"
Dir sagen, was mir ist? 
Kein Weh im Haupt und Magen,
In Hand und Fuß! O nein!
Doch ewig muß ich klagen.
Errätst du meine Pein?

"Vertraue mir, Yoduno!
O sage was dir ist,
Daß du so traurig bist?"
Dir sagen, was mir ist? 
Ach! namenlose Schmerzen,
Und keiner Hoffnung Strahl!
Mir glüht's und pocht's im Herzen!
Errätst du meine Quaal?

"Mit Freundesangst, Yoduno!
Errat' ich, was dir ist,
Daß du so traurig bist."
Nun sage, was mir ist?
"Dich martern Seelenwehen!
Du liebest hofnungslos!"
Ja Freund! ich muß vergehen!
Ich liebe hofnungslos.


Submitted by Emily Ezust

4. Lied [ sung text verified 1 time]

Subtitle: In einer Winternacht zu singen

Language: German (Deutsch)

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 Horch, grausig heult draußen der Mitternachtwind
 Und schüttelt wild Flocken hernieder.
 Auf setzt' euch um's lachende Tischen geschwind,
 Laßt pfeiffen den flockenden Mitternachtwind,
   Ihr braven, traulichen Brüder, und singt
   Erquickende Lieder.

 Schaut! Anger und Täler und Wälder sind weiß;
 Draus heben sich schwärzliche Äste;
 Die Bächlein erstarren im funkelnden Eis,
 Wir lachen beisammen im munteren Kreis:
   Hebt an den Gesang, ihr Gäste!
   Am hocherfreilichen Feste! -

 Durchs Eisfeld das wandernde Bürschchen hingeht
 Mit langen, verdiooekten Schritten;
 Ha! seht doch, wie um ihn der Winterfrost weht,
 Im schneidenden Wirbel sein Bündelchen dreht,
   Er watet mit schweren Schritten
   Und späht nach einsamen Hütten.

 Uns hüllet der Heerd in erwärmenden Duft,
 Uns wärmen der Hirtinnen Küße;
 Wie spott' ich der Flocken durchwimmelten Luft,
 Wenn winkend mein Schätzgen beim Namen mich ruft,
   Lisette, die freundliche süße,
   Und wechselt labende Küße?

 Wie schmeckt uns so köstlich das schäumende Bier
 Im runden geschwungenen Becher;
 Der Mond schaut so freundlich in silberner Zier
 Herab von dem bläulichen Himmelsrevier,
   Auf uns die jauchzenden Zecher,
   Lacht in die schäumenden Becher! -

 Wohl pfeift der grimmige Mitternachtwind
 Und schüttelt wild Flocken hernieder,
 Wir drücken an Busen die Mädchen geschwind,
 Und lassen laut pfeiffen den nächtlichen Wind,
   Und trinkend singen wir Lieder,
   Wir deutschen wackeren Brüder!


Submitted by Emily Ezust

5. Vom Tode [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Alles was mich hier umringt,
 Sagt mir, daß ich sterben werde.
 Alles was hier blüht, das sinkt
 Wieder in den Schoos der Erde.
 Blumen, die am Morgen blühn,
 Welken schon am Abend hin.

 Warum sollt ich traurig sein,
 Wenn die Sterbeglocken hallen?
 Warum voller Sorg und Pein
 Meinem Grab entgegen wallen?
 O da schlumm'r ich sanft und süß,
 In des Grabes Finsterniss.

 Unser Leben ohne Tod,
 Ist ein leerer Traum hienieden.
 Wirklichkeiten hat uns Gott,
 Wenn wir sterben, erst beschieden.
 Dort, wo tausend Sonnen glühn,
 Leiht der Tod uns Flügel hin.

 Niedrig klebet unser Geist 
 An der Welt und ihren Freuden.
 Nur der Tod, der Tod zerreißt
 Dieses Lebens Dunkelheiten, 
 Und führt uns durch Mitternacht,
 Wo ein ew'ger Morgen lacht.

 Zwischen Hoffnung, Angst und Leid
 Schwankt auf ungewissem Meere
 Unsre ganze Seligkeit,
 Wenn kein Grab auf Erden wäre.
 Ach im Tode schließt die Ruh
 Die betränten Augen zu.

 Unermesslich ist die Bahn
 Zwar zu Gottes Thron vom Staube.
 Was kein Mensch erreichen kann,
 Das erreicht des Christen Glaube.
 Er, der starb und auferstand,
 Hat den Weg dahin gebahnt.

 Mit ihm werd ich auferstehn,
 Bin ich nur mit ihm gestorben.
 Palmen werden mir dort wehn,
 Die mir Jesus Christ erworben.
 Komm, o Tod, ich harre dein!
 Warum sollt ich traurig sein?


Submitted by Emily Ezust

6. Trudchen [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Es waren, es waren einst glückliche Stunden,
 Da hatt' ich mein Liebchen, mein Trudchen gefunden!
 Das war euch ein Mädel, wie keines mehr ist,
 Auch keines wohl wieder die Erde begrüßt.

 Schön Trudchen, an Wesen und Gang und Geberden
 War liebreich und sittsam, wie Engel auf Erden,
 Und war auch ein Engel, ihr sehnender Sinn
 Sah immer zum himmlischen Vaterland hin.

 Einst mußte sie unter den blühenden Linden
 Mit Tränen im Auge, mich Schmachtenden finden,
 Da sahe nicht weiter ihr sehnender Sinn
 Hoch oben zum himmlischen Vaterland hin.

 Bang trat ich zum Mädel mit wankendem Schritte,
 Sie folgte mir freundlich zur ärmlichen Hütte;
 Die ärmliche Hütte, so eng und so klein,
 Die weihte der Engel zum Himmel uns ein.

 Das war euch ein Leben! des Tages wie schwunden
 Bei Küßen und Kosen die freundlichen Stunden,
 In nächtlicher Stille, wie lag ich so warm,
 Dem Mädel am Busen, dem Mädel im Arm!

 Da sahen herab von der leuchtenden Ferne
 Auf unsere Küße die freundlichen Sterne,
 Da wußt' es das Mädel, was Engel ihr wißt,
 Daß über den Sternen auch Liebe noch ist.

 Doch über den Sternen, da klagten die Engel:
 Wo ist sie die schönste der Schwestern, ihr Engel?
 Im Haine des Lebens? am Strome voll Licht?
 Im Tale des Friedens? - und fanden sie nicht.

 Sie fanden die Schwester, ach! mir in dem Armen,
 Das ufzt' ich wohl lange, wohl laut um Erbarmen:
 Doch, leider! ich mußte wohl scheiden sie sehn,
 Und durfte nicht mit dir, du Liebende, gehn.

 »Ach!« sprach sie: »Mein Wilhelm! wir müssen uns scheiden,
 Doch oben! auch oben hat Liebe noch Freuden,
 Und lebst du nur fromm, o so folgst du mir bald.«
 Das küßt' ich dem Mädel vom Munde schon kalt.

 Nun leb' ich so fromm hier, und ringe die Hände
 Am blumigen Grabe des Mädels und wende
 Zum Haine des Lebens, zum Strome voll Licht,
 Zum Tale des Friedens mein weinend Gesicht.

 Das Mädel nun hoch in der leuchtenden Ferne,
 Das wußt' es, und weiß es, noch über euch Sterne
 Sind Freuden der Liebe, so komm doch, o komm,
 Du Freund mit der Sense; ich lebe ja fromm.


Submitted by Emily Ezust

7. Die Mädchen an einen Jüngling [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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Ich sehe mit Schmerzen,
Du kennest die Kerzen
  Kupidens noch nicht!
Du hoffest, mit Herzen 
Der Mädchen zu scherzen;
  Es reizet die Rose dich, ehe sie sticht!

Zu spielen mit Rosen,
Zu küssen und kosen
  Ist lieblich und fein;
Du trauest den Losen,
Sie lachen und stoßen
  Ganz freundlich den Dolch in das Herz uns hinein.

O Jüngling, dann müssen
Mit Tränen wir büssen,
  Mit innigem Schmerz!
Es fliehen die Süßen
Zu andern, und küssen,
  Auch ihnen Verzweiflung ins wehrlose Herz.

Sie können mit Blicken
Die Herzen bestricken,
  Und scheinen so gut!
Kaum kehrst du den Rücken,
So winken und nicken
  Die Falschen, und freun sich der wachsenden Glut.

Wenn endlich dich eine
Von Tücken noch reine
  Mit Zärtlichkeit liebt;
Wo wisse, der kleine
Kupido hat seine
  Geheimere Ränke, wodurch er betrübt.

Oft spinnet er Fädchen
Am goldenen Rädchen,
  Wie Haare so fein.
Kaum glaubst du dein Mädchen
Zu halten am Drätchen,
  So reißt es, und läßt dich Betörten allein.

Viel hab ich gelitten
Hab dreimal gestritten,
  Für Tränen zum Sold,
Bei dörflichen Sitten,
In moosigen Hütten,
  Da wohnt die Liebe noch lauter, wie Gold.


Submitted by Emily Ezust

8. Die kleine Hirtin [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship


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Warum bin ich noch so klein?
Gerne hätt' ich auf der Weide
Auch zuweilen eine Freude,
Wie sich meine Schwestern freun.
Lycidas und Dafne wissen
Sich zu finden, sich zu küssen;
Und bei mir mag niemand sein;
Warum bin ich noch so klein?

Hab' ich nicht auch einen Mund?
Seht, er ist nicht zu verachten!
Seht, er kann schon artig schmachten;
Er ist klein und er ist rund.
Möcht' es nur ein Schäfer wagen!
Zweimal dürft' er mich nicht fragen,
Aber keinem fällt es ein!
Warum bin ich noch so klein?

Wie die Schäfer töricht sind!
Chloe flieht in Wald und Grotten
Ihrer aller nur zu spotten;
Chloe wechselt wie der Wind.
Aber alle Schäfer sinnen,
Eine Chloe zu gewinnen.
Ich bin sanft, und bin allein!
Warum bin ich noch so klein?

Liebe, dir versprech ich dieß:
Wenn du bald mir Freuden sendest,
Und die Schäfer zu mir wendest,
Ich will lieben ganz gewiß,
Ich will alle Schäfer lieben,
Keinen will ich je betrüben;
Ich will äußerst zärtlich sein!
Liebe, gib mir nur Gedeihn!


Submitted by Emily Ezust

9. An Elisen [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship

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 O Elise, nicht nur für die Freuden
 Gab der Himmel uns diess weiche Herz;
 Stärker ist doch das Gefühl der Leiden,
 Und weit tiefer rühret uns der Schmerz.

 Wer ist wohl, dem kein geheimer Kummer
 Ungesehn die Seele niederdrückt?
 Den nicht oft, erwacht von kurzem Schlummer,
 Weinend oft die Morgensonn' erblickt?

 Wenn der Abend rötlich niederstralet,
 Und die Welt mit milder Kühle tränkt,
 Und mit Gold die fernen Höhen malet,
 Und ins Tal die braunen Schatten senkt:

 O dann steigt ein wonniges Entzücken
 Oft aus der gerührten Brust empor;
 Öfter aber bebt aus naßen Blicken
 Auch der Wehmut sanfte Zähr' hervor.

 O wie manchen Schmerz, der nur der Stille
 Sich entdeckt, und im Verborgnen weint,
 Sieht der Mond, wenn durch die Silberhülle
 Er auf uns so hold hernieder scheint.

 Wenn auch mich, in seinem Sternenkleide,
 Einsam oft der kühle Abend fand,
 War er Zeuge von geheimen Leide,
 Das nur ihm mein naßer Blick gestand.

 Von dem Leide, welches meinem Leben
 Früh die Blüten sanfter Lust geraubt;
 Gleich den Stürmen, die den Wald durchbeben,
 Den nur erst ein junger Lenz belaubt.

 Doch es sei, daß diesen Erdentagen
 Nie ein Frühling sonder Stürmen blüht
 Daß so oft die Wolke trüber Klagen
 Auch den hellsten Horizont umzieht.

 Aus den stillverweinten Tränen spriessen
 Unserm Geist die reichsten Frücht' hervor;
 Also wächst nach Sturm und Regengüssen
 Schöner nur die goldne Saat empor.

 Jede der durchlebten trüben Stunden,
 Die doch schnell wie Morgenträum entflohn,
 Findet, wenn sie längst dahin geschwunden,
 Noch in ferner Zukunft ihren Lohn.
 
 O, so sieh voll Ruh und Hoffnung weiter
 Auf die Zeit, die jene Seegen bringt!
 Oft wird noch der trübe Himmel heiter,
 Eh' die Abendsonne niedersinkt.

 Doch wenn gleich, in Wolken ganz verhüllet,
 Immer auch ihr Glanz verborgen bleibt;
 O es kommt, mit Ruh und Trost erfüllet,
 Doch die Nacht, die jeden Gram vertreibt.

 Nein, nicht Nacht! nur zu dem schönsten Tage
 Der erwünschte leichte Übergang!
 Welche Hoffnung! O es schweigt die Klage,
 Und wird froher lauter Jubelklang.


Submitted by Emily Ezust

10. Mein Traum [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Als vom Schlummer leis beschlichen
 Sich die Augewimper schloß;
 Und die Bilder all erchlichen,
 Die der Tag um mich ergoß,
 Sank mit rosigem Gefieder,
 Süßer Ruhe Unterpfand,
 Jüngst ein Traum zu mir hernieder,
 Den mein Schutzgeist mir gesandt.

 Rauher Winterstürme Brausen
 Hörte mein erschrocknes Ohr;
 Kalter Regengüße Saussen
 Schallte aus dem Sturm hervor;
 Als am Fenster meiner Zelle,
 Wo ich ängstlich still gelauscht,
 Mir ein Fittig, silberhelle
 Schnell und scheu vorüber rauscht.

 Schwirrend streift es hin und wieder,
 Schlägt das kleine Flügelpaar;
 Am erstarrenden Gefieder
 Zittern Eisestropfen gar;
 Sieh, das arme Vöglein spähet
 Nach dem Nestgen, das gewiß
 Dieser Sturm, dem nichts entgehet,
 Von des Hüttchens Obdach riß.

 Voll Erbarmen nehm' ich leise
 Vom beeisten Fenster ihn;
 Und es sinkt der silberweiße
 Starre Vogel leblos hin,
 Mir in Schoos, es bebt der Arme
 Auf der Hand, die zart und fest,
 Ängstlich ihn, daß er erwarme,
 An den heißen Busen preßt.

 Lebe, holder Fremdling, lebe!
 Ruf' ich selbst mir kaum bewußt;
 Deinem kleinen Herzen gebe
 Neue Wärme diese Brust!
 Sieh, er regt sich, frisch erhebet
 Das gesenkte Köpfchen sich,
 Und mit munterm Fluge schwebet
 Dankbar flatternd er um mich.

 Aber, Wunder sonder Gleichen!
 Meinen Augen trau ich kaum;
 Zarte Rosenglieder steigen
 Aus der Federn seidnem Pflaum.
 Goldne Ringellocken blinken;
 Wo der kleine Schnabel war,
 Seh ich Purpurlippen winken
 Und ein schelmisch Augenpaar.

 Kurz, am schönsten Knaben zeiget
 Sich vom Vogel keine Spur,
 Von der weißen Schulter steiget
 Goldbesäumt die Schwinge nur.
 Ha! du Schelm! gar wohl belehret
 Dieses Goldgefieder mich,
 Ich erkenn' auch unbewehret
 Losesten der Vögel dich.

 Süß und lispelnd jetzt versetzet
 Er mit lächelndem Gesicht:
 »Daß dich mein Geschoß verletzet,
 Fürchte holdes Mädchen nicht.
 In der Brust, die mich gepfleget,
 Ruht ein warmes treues Herz,
 Doch das ruhige beweget
 Nie der Liebe süße Schmerz.

 Listig wollt' ich dich betrügen;
 Mitleid öffnet oft die Tür,
 Deine Schwestern zu besiegen,
 Zu den weichen Herzen mir,
 Doch das deine sei verschonet:
 Diese stille Brust verlieh
 Einem Gotte Schutz, er lohnet
 Dir mit solchem Undank nie.

 Meiner Fackel Glut entzünde
 Sie mit wilder Flamme nicht,
 Und es raube meine Binde
 Nie der heitern Blicke Licht;
 Schmerzlos sei dir meiner Pfeile,
 Meines goldnen Bogens Macht.«
 Hier entfloh mit loser Eile
 Amor, und ich war erwacht.


Submitted by Emily Ezust

11. An die Freude [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): DUT ENG FRE ITA

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan de vreugde", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John Glenn Paton) , "Ode to joy", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "À la joie", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission


Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was [die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder]1,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
     Chor.
Seid umschlungen Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu seyn,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
     Chor.
Was den großen Ring bewohnet
Huldige der Simpathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen
An der Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod,
Wollust ward dem Wurm gegeben, 
Und der Cherub steht vor Gott.
     Chor.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Ueber Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.
     Chor.
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächt'gen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu [der Tugend steilem]2 Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.
     Chor.
Duldet muthig Millionen!
Duldet für die bess're Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ist's ihnen gleich zu seyn.
Gram und Armuth soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sey vergessen,
Unserm Todfeind sey verziehn.
Keine Thräne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
     Chor.
Unser Schuldbuch sey vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmuth Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmuth - -
Brüder fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist!
     Chor.
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Ueberm Sternenzelt dort oben!

Festen Muth in schwerem Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwor'nen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, -
Brüder, gält es Gut und Blut -
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
     Chor.
Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein;
Dem Gelübde treu zu seyn,
Schwört es bei dem Sternenrichter!


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Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Zweiter Theil, Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig, 1805, bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 121-127; and with Thalia. Herausgegeben von Schiller. Erster Band welcher das I. bis IV. Heft enthält. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen. 1787, pages 1-5 of Heft II [1786].

1 first edition, and Zumsteeg: "der Mode Schwerd getheilt; / Bettler werden Fürstenbrüder"
2 Zumsteeg: "des Glaubens stillem"

The first edition has an additional final stanza which was omitted by Schiller in later editions:

Rettung von Tirannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toden sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr seyn.
     Chor.
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder - einen sanften Spruch
Aus des Todtenrichters Munde!


Submitted by Emily Ezust and Peter Rastl

12. Unsre Liebe [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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In verschwundnen Rosentagen
Sah ich Stellas Angesicht,
Hielt mein herz es wie die Schaale
Perlen, fest beim erstenmale;
Liebe war diess und ich wußt' es nicht!

Stella's Busen ehrt den Sänger,
Der der Unschuld Kränze flicht;
Trotz den unscheinbaren Wangen
Blieb ihr Aug' an meinem hangen;
Liebe war diess, und sie wußt' es nicht!

Wie der Beter am Altare
Glühend Andacht fühlt, nicht spricht,
Ohne Worte trat ich näher:
Leise Seufzer fand ich eher;
Liebe war diess, und ich wußt' es nicht!

Röt' und Blässe sah sie wechseln
Wie in Wettern Nacht und Licht;
Und dem Irren Leucht' in Nächten
Ward ein Druck von ihrer Rechten;
Liebe war diess, und sie wußt' es nicht!

Auf zum Äther neugeschaffen
Flog mein Geist, und mein Gedicht;
Dann drei lange leere Tage
Fühlt' ich, fern ihr Höllenplage;
Liebe war diess, und ich wußt' es nicht!

Wiederkam ich; Scherz und Jubel
Lachten rings, sie lachte nicht;
Unsre Blicke die sich trafen
Prallten ab wie Feindes Waffen;
Liebe war diess, und sie wußt' es nicht!

Meilen trennten uns: wir schwuren
Uns der Freundschaft Recht und Pflicht:
Briefe gingen, Briefe kamen,
Freundschaft unterschrieb den Namen;
Liebe war diess, und wir wußtens nicht.

Bald, ach! wußt' ich's, flehte, bebte
Wie der Sünder vor Gericht,
Ach! und ward zurückgestossen:
Doch geheime Tränen flossen:
Liebe blieb ihr, und ich wußt' es nicht!

Und auf sie und Lebenswonne
Tat mein stolzer Sinn Verzicht!
Liebe, schrieb ich, quält mich nimmer!
Und doch seufzt' und klagt' ich immer;
Liebe blieb mir, und sie wußt' es nicht!

Stella schwieg - verdammt, vergessen
Schien ich längst, und warte nicht! 
Heimlich las sie meine Lieder,
Schüchtern meine Briefe wieder;
Liebe blieb ihr, und ich wußt' es nicht!

Ferne weint' ich, ein Verbannter,
Den die Natter Reue sticht:
Unmut tobt' in allen Sehnen,
Jammer sprach in Blick und Tönen;
Liebe blieb mir, und sie wußt' es nicht!

Andre warben: Einer siegte:
Stella's Ja! sprach Kindespflicht.
Er herrscht über Hand und Sinnen,
Und mein Bild im Herzen drinnen:
Liebe blieb ihr, und ich wußt' es nicht!

Ha! nun weiß ich's! Welche Kunde!
Ach! mein Herz erliegt und bricht!
Wiederstral nur alter Freuden
Schimmert noch in meinen Leiden:
Liebe blieb mir, und sie weiß es nicht!


Submitted by Emily Ezust

13. An ein Röschen [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship

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 Gleich der Rose welk' ich hin, 
 Blaß und traurig wie ich bin,
 Täglich nagen mir am Herzen
 Tiefer Schwermut stille Schmerzen,
 Gleich der Rose welk' ich hin.

 O wie blühest du so schön
 Aber bald wirst du vergehn -
 Ach nur flüchtige Secunden,
 Und dein Rot ist hingeschwunden,
 Und da blühst nicht mehr so schön.

 Einst ruft dich ein beßer Glück
 Mit dem neuen Lenz zurück,
 Dann wird Blüte, Saft und Leben
 Dir der holde Frühling geben,
 Und du fühlst ein beßer Glück.

 Ruhig sterb ich so mit dir,
 Rose, bald! bald droht auch mir
 Die Verwesung, meine Glieder
 Geb ich froh der Erde wieder,
 Ruhig sterb ich so mit dir.

 Werd' ich gänzlich sterben? Nein!
 Nein ich werde ewig sein!
 Einst wird zu dem beßern Leben
 Sich mein reiner Geist erheben,
 Und ich werde ewig sein.


Submitted by Emily Ezust

14. Lied [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch) after the English

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Based on

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 Leb wohl du Strom, so sanft und schön; 
 Du Frühlingsluft mit lindem Wehn;
 Ihr Fluren von dem Lenz geschmückt,
 Ihr Sänger, die mich oft entzückt!
 Euch flieh' ich sonder Harm und Schmerz,
 Kein Seufzer drückt um euch mein Herz;
 Doch fern muß ich der Holden sein!
 Drum ist kein Tröpfchen Freude mein.

 Du, schöner als Aurora ist,
 Wenn sie den Tau des Feldes küßt,
 So lauter als der Sonnen Licht,
 Das durch den Maienhimmel bricht,
 Dein Reiz - so schön sind Engel nur -
 Giebt neuen Glanz der holden Flur.
 Der Tag wird schön durch dich gemacht,
 Und Freud' erfüllt von dir die Nacht.


Submitted by Emily Ezust

15. Romanze [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): DUT ENG FRE

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Romance", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , "Romance", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Romance", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission


In der Väter Hallen ruhte
Ritter Rudolfs Heldenarm,
Rudolfs, den die Schlacht erfreute,
Rudolfs, welchen Frankreich scheute
Und der Sarazenen Schwarm.

Er, der lezte seines Stammes,
Weinte seiner Söhne Fall:
Zwischen Moosbewachsnen Mauern
Tönte seiner Klage Trauern
In der Zellen Wiederhall.

Agnes mit den goldnen Locken
War des Greisen Trost und Stab;
Sanft wie Tauben, weiß wie Schwäne,
Küßte sie des Vaters Thräne
Von den grauen Wimpern ab.

Ach! sie weinte selbst im Stillen,
Wenn der Mond ins Fenster schien.
Albrecht mit der offnen Stirne
Brannte für die edle Dirne,
Und die Dirne liebte ihn!

Aber Horst, der hundert Krieger
Unterhielt in eignem Sold,
Rühmte seines Stammes Ahnen, 
[Prangte]1 mit erfochtnen Fahnen,
Und der Vater war ihm hold.

Einst beim freien Mahle küßte
Albrecht ihre weiche Hand,
Ihre sanften Augen strebten
Ihn zu strafen, ach! da bebten
Thränen auf das Busenband.

Horst entbrante, blickte seitwärts
Auf sein schweres Mordgewehr;
Auf des Ritters Wange glühte
Zorn und Liebe; Feuer sprühte
Aus den Augen wild umher.

Drohend warf er seinen Handschuh
In der Agnes keuschen Schooß;
»Albrecht nim! Zu dieser Stunde
Harr' ich dein im Mühlengrunde!«
Kaum gesagt, schon flog sein Roß.

Albrecht nahm das Fehdezeichen
Ruhig, und bestieg sein Roß;
Freute sich des Mädchens Zähre,
Die, der Lieb' und ihm zur Ehre,
Aus dem blauen Auge floß.

Röthlich schimmerte die Rüstung
In der Abendsonne Stral;
Von den Hufen ihrer Pferde
Tönte weit umher die Erde
Und die Hirsche flohn ins Thal.

Auf des Söllers Gitter lehnte
Die betäube Agnes sich,
Sah die blanken Speere blinken,
Sah - den edlen [Albrecht]2 sinken,
Sank, wie Albrecht, und erblich.

Bang' von leiser Ahndung spornet
Horst sein schaumbedecktes Pferd;
Höret nun des Hauses Jammer,
Eilet in des Fräuleins Kammer,
[Starrt]3 und stürzt sich in sein Schwert.

Rudolph nahm die kalte Tochter
In den väterlichen Arm,
Hielt sie so [zwei]4 lange Tage,
Thränenlos und ohne Klage,
Und verschied im stummen Harm.


View original text (without footnotes)

Confirmed with Gedichte der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg, herausgegeben von Heinrich Christian Boie, Frankfurt und Leipzig, 1781, pages 64-68; and with Poetische Blumenlese Auf das Jahr 1775. Göttingen und Gotha bey Johann Christian Dieterich, pages 215-218.

1 Zumsteeg: "Prahlte"
2 Zumsteeg: "Ritter"
3 Stolberg (1779 edition): "Starr", probably misprint
4 Stolberg (1775 and 1779 editions): "zween"
Note: The 1775 edition has some more minor differences to the later editions.

Submitted by Emily Ezust and Peter Rastl

16. Morgenlied eines Jünglings [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Wenn Aurora früh mich grüßt,
 Mich mit Rosenlippen küßt,
 Scheuchet oft ihr Strahlensaum,
 Von des Bettes weichem Pflaum
 Einen kleinen süßen Traum,
 Find' ich dann mein Bettchen leer.
 Ach dann wird mein Herz so schwer,
 Und ich gäb Aurorens Gruß,
 Gäbe jeglichen Genuß,
 Gern für eines Weibchens Kuß.



Submitted by Emily Ezust

17. Lied [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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Lebhaft hab ichs oft empfunden,
Alles, alles ist ein Traum.
Einsam oft in ernsten Stunden
Unter dem entlaubten Baum,
Noch auf jedem meiner Schritte
Folgt mir die Empfindung nach
Folgt mir zu des Armen Hütte,
Folgt mir in Paläste nach.
Die Empfindung ernster Stunden,
Unter dem entlaubten Baum,
Die ich lebhaft oft empfunden,
Alles, alles ist ein Traum.

Schöner Frühling meiner Liebe,
O daß ich dich je gekannt,
O daß je mit Blumenkränzen,
Schmeichelnd mich die Lieb umwand.
Schnell entfloh die heitre Stille,
Mich umrauschte Sturm der Nacht!

O Empfindung ernster Stunden
Unter dem entlaubten Baum,
Stärker stets vor mir empfunden,
Alles, alles ist ein Traum.


Submitted by Emily Ezust

18. Der Einsiedler [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Wo lebt' ich glücklicher verborgen,
 Als unterm Úlmenschatten hier!
 Es fliehen, fern von Gram und Sorgen,
 In süßer Ruh die Tage mir.
 Im edlen Selbstgenuße schwindet
 Mein Leben ohne Sehnsuchtsglut,
 Und meine heitre Seele findet
 Im Frieden nur das höchste Gut.

 Was mangelt mir zum Erdenglücke? 
 An Blum' und Frucht ist reich die Au;
 Es kleidet meinem freien Blicke
 Der Himmel sich in schön'res Blau.
 Und wann Gewitter ihn umzogen,
 Wann Hagel rauscht und Donner kracht,
 So strahlt der milde Regenbogen
 Bald Frieden durch die Wolkennacht.

 Die Zwietracht herrscht im Weltgetümmel
 Und jeden Schritt verfolgt der Schmerz;
 Kaum lacht, o Einsamkeit! dein Himmel,
 So kehret Ruh' in's bange Herz.
 Seht ihr dort wilde Fluten schäumen
 Und tobend über Klippen fliehn?
 Besänftigt unter meinen Bäumen
 Rinnt still dasselbe Wasser hin.


Submitted by Emily Ezust

19. Lied [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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Eile auf der Morgenröte Flügeln
Her zu meinem Lager, süßes Bild!
In des Jammers Träne dich zu spiegeln,
Die aus schlummerlosem Auge quillt!

Eile zu mir mit den Abendwinden,
Küße zitternd und umfasse mich!
Eile zu mir! Erd' und Himmel schwinden!
Dora! Dora! Ich umarme dich!


Submitted by Emily Ezust

20. Die Liebe [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!
Sorgenlos, wie Kinder,
Führt sie uns durchs Leben.
Unser ganzes Leben flieht
Mit ihr geschwinder,
Als uns ohne Liebe
Sonst ein Tag verging!
  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!

  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!
Mut gibt sie zur Arbeit,
Hilft sie uns verrichten,
Eine Blumenkette
Werden unsre Pflichten,
Und am Thron der Liebe
Hängt der Kette Ring.
  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!

  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!
Unsre Seele hebet
Sich auf ihrem Flügel,
Unsre Seele schwebet,
Treu von ihr belebet,
Über Tal und Hügel,
Gleich dem Schmetterling.
  Ach! was ist die Liebe
  Für ein süßes Ding!


Submitted by Emily Ezust

21. Das Grab [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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 Still und ruhig ist des Todes Schlummer,
 Stumm und taub ists in dem engen Haus.
 Mit der Freude stirbt hier auch der Kummer,
 Röcheln auch der Menschheit Leiden aus.
 Träume, Wünsche, Sorgen groß und klein
 Schlummern dort auf einmal mit uns ein.

 Wärmt die Sonn' einst meinen Grabeshügel
 Kühlt der Mond die schwüle Sommernacht,
 Bringt der Frühling auf des Westwinds Flügel
 Blumen, Früchte, Lieblichkeit und Pracht:
 O! mich reizt kein Erdenglück nicht mehr!
 Still und ruhig ist es um mich her.

 Strönmt der Gram in heißen Tränen nieder,
 Weint die Sehnsucht, klagt ein banges Herz,
 Tönen dumpfe, schwermutsvolle Lieder,
 Ächzt und jammert über mir der Schmerz;
 O! mich rührt kein Erdenleiden mehr;
 Still und ruhig ist es um mich her.

 Rast die Mordlust über meinem Staube;
 Baden Menschen sich in Menschenblut,
 Zittern Länder, wird ihr Glück zum Raube,
 Wüten Seuchen, bebt der Heldenmut;
 O! ich schlaf in ungestörter Ruh
 Fest ist meines Grabes Hügel zu!

 Dürsten Toren heiß nach Gold und Ehren,
 Sind der wilden Leidenschaften Spiel?
 Knien schmachtend vor den Lustaltären,
 Drehen sich im rauschenden Gewühl:
 O dann liegt mein Herz, das einst gewallt,
 Unempfindlich wie das Grab, und kalt!

 Wenn Verläumder meine Werke tadeln,
 Wenn Verführer listig nach mir spähn,
 Wenn die Heuchler meine Tugend adeln,
 Oder Fromme segnend nach mir sehn:
 O dann dringt sich in mein enges Grab
 Weder Ruhm noch Tadel mehr hinab.

 Todeshügel! stille Grabeskammer!
 Sei mir heilig, süß ist deine Ruh!
 Ach! wann deckst du mich und meinen Jammer
 In der Erde Mutterschoose zu?
 Bis sie mich zur Herrlichkeit gebiert,
 Und mich Gott zum Engelleben führt.


Submitted by Emily Ezust

22. Der Verlust [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship

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Hört! ich hatt' einmal ein Blümchen,
Und das Blümchen war so schön,
Daß ich glaubte, nun und nimmer
Solch ein liebliches zu sehn.

Feurig liebt' ich auch ein Mädchen,
Weiß, wie Postpapier und fein,
Schöner, dacht' ich, muß kein Mädchen 
Rings umher in Deutschland sein.

Wie ihr wißt, so sind es meistens
Aller guten Dinge drei, 
Darum führte mir die Freundschaft
Auch noch einen Freund herbei:

Seht: so hatt' ich meine Freude;
Ich beroch das Blümchen viel,
Trieb euch bald mit meinem Mädchen,
Bald mit meinem Freunde Spiel.

Aber Spiel und Freuden schwanden,
Trüb und düster ward mein Sinn:
Denn mein Mädchen nahm die Blumen
Und mein Freund mein Mädchen hin.


Submitted by Emily Ezust

23. Canon a 3 [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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Der Ewige segnet der Frommen Tage,
Ihr Erbe bleibet ewiglich.


Submitted by Emily Ezust

24. Die Verschwiegenheit [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch) after the German (Deutsch)

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Based on

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  Sobald Damötas Chloen sieht,
Wird er auf einmal so gesellig;
Er thut so schmeichelnd, so gefällig,
  Und all sein Stolz entflieht.
Sie scheint durch ein geheim Behagen
  Genau dies Rätsel zu verstehn,
  Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich, ich will nichts weiter sagen.

  An ihrem blauen Busenband
Bleibt oft sein loses Auge hangen,
Er drückt mit schmachtendem Verlangen
  Oft feurig ihre Hand.
Das Aug' auf ihre Brust geschlagen,
  Scheint sie beschämt, ihn anzusehn,
  Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

  Erblickt er schlafend sie am Bach,
So schleicht er hin mit leisen Füßen,
Sie aus dem Schlummer aufzuküssen:
  Doch Chloe wird nicht wach.
Sie scheint sein zärtliches Betragen
  Nur listiger zu hintergehn,
  Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

  Sie gehn oft heimlich in den Hain;
Er hält den Arm um sie geschlungen,
Und in der Büsche Dämmerungen
  Sind sie oft ganz allein.
Sie scheint mit ihm in schwülen Tagen
  Bloß zur Erkühlung hinzugehn,
  Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.


Confirmed with Gedichte von Gottlieb Leon, Vien, Rudolph Gräffer und Compagnie, 1788, pages 25-26.


Submitted by Emily Ezust

25. Die Entzückung an Laura [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

Authorship

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Laura! Welt und Himmel weggeronnen
Wähn ich - mich in Himmelmaienlicht zu sonnen
  Wenn dein Blik in meine Blike flimmt.
Aetherlüfte träum' ich einzusaugen,
Wenn mein Bild in deiner sanften Augen
  Himmelblauem Spiegel schwimmt.

Leierklang aus Paradieses Fernen,
Harfenschwung aus angenehmern Sternen,
  Ras' ich in mein trunken Ohr zu ziehn.
Meine Muse fühlt die Schäferstunde,
Wenn von deinem wollustvollem Munde
  Silbertöne ungern fliehn.

Amoretten seh ich Flügel schwingen,
Hinter dir die trunknen Fichten springen
  Wie von Orpheus Saitenruf belebt.
Rascher rollen um mich her die Pole,
Wenn im Wirbeltanze deine Sole
  Flüchtig wie die Welle schwebt.

Deine Blike - wenn sie Liebe lächeln,
Könnten Leben durch den Marmor fächeln,
  Felsenadern Pulse leyhn.
Träume werden um mich her zu Wesen,
Kann ich nur in deinen Augen lesen:
  Laura! Laura! Mein!

Wann nun, wie, gehoben aus den Achsen
[Zwei]1 Gestirn', in Körper Körper wachsen,
  Mund an Mund gewurzelt brennt.
Wollustfunken aus den Augen regnen,
Seelen wie entbunden sich begegnen
  In des Athems Flammenwind.

Eine Pause drohet hier den Sinnen
Schwarzes Dunkel jagt den Tag von hinnen,
  Lagert sich um den gefangnen Blik.
Leises Murmeln - dumpfer hin verloren -
Stirbt allmählig in den trunknen Ohren,
  Und die Welt tritt in ihr Nichts zurük.

Ha! daß izt der Flügel Chronos harrte,
Hingebannt ob dieser Gruppe starrte,
  Wie ein Marmorbild - die Zeit! -
Aber ach! - ins Meer des Todes jagen
Wellen Wellen - über dieser Wonne schlagen
  Schon die Strudel der Vergessenheit.


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Confirmed with Schwäbischer Musenalmanach Auf das Jahr 1782. Herausgegeben von Gotthold Friedrich Stäudlin. Tübingen, bei Johann Georg Cotta, pages 140-142.

This is the second version of Schiller's poem, with seven stanzas. For the first and the third versions see below.

1 Zumsteeg: "Zween"

Submitted by Peter Rastl

26. Das Veilchen [ sung text verified 1 time]

Language: German (Deutsch)

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Warum, geliebtes Veilchen, blühst
Du so entfernt im Tal?
Versteckst dich unter Blätter, fliehst
Der stolzen Blumenzahl.

Und doch voll Liebreiz duftest du;
Sobald man dich nur pflückt,
Uns süßre Wohlgerüche zu,
Als manche, die sich schmückt.

Du bist der Demut Ebenbild,
Die in der Stille wohnt,
Und den, der ihr Verdienst enthüllt,
Mit frommen Dank belohnt.


Submitted by Emily Ezust

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     - Emily Ezust

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