by Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)
Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet
NOTE: the footnotes have been removed from this text; return to general view
Language: German (Deutsch)
Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet Die Frücht' und auf der Erde geprüfet und ein Gesetz ist, Daß alles hineingeht, Schlangen gleich, prophetisch träumend auf Den Hügel des Himmels. Und vieles Wie auf den Schultern eine Last von Scheitern ist Zu behalten. Aber bös sind Die Pfade. Nämlich unrecht, Wie Rosse, gehn die gefangenen Element und alten Gesetze der Erd. Und immer Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht. Vieles aber ist Zu behalten. Und not die Treue. Vorwärts aber und rückwärts wollen wir Nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie Auf schwankem Kahne der See. Wie aber Liebes? Sonnenschein Am Boden sehen wir und trockenen Staub Und heimatlich die Schatten der Wälder und es blühet An Dächern der Rauch, bei alter Krone Der Türme, friedsam; gut sind nämlich, Hat gegenredend die Seele Ein Himmlisches verwundet, die Tageszeichen. Denn Schnee, wie Maienblumen Das Edelmütige, wo Es seie, bedeutend, glänzet auf Der grünen Wiese Der Alpen, hälftig, da, vom Kreuze redend, das Gesetzt ist unterwegs einmal Gestorbenen, auf hoher Straß Ein Wandersmann geht zornig, Fern ahnend mit Dem andern, aber was ist dies? Am Feigenbaum ist mein Achilles mir gestorben, Und Ajax liegt An den Grotten der See, An Bächen, benachbart dem Skamandros. An Schläfen Sausen einst, nach Der unbewegten Salamis steter Gewohnheit, in der Fremd, ist groß Ajax gestorben, Patroklos aber in des Königes Harnisch. Und es starben Noch andere viel. Am Kithäron aber lag Elevtherä, der Mnemosyne Stadt. Der auch, als Ablegte den Mantel Gott, das Abendliche nachher löste Die Locken. Himmlische nämlich sind Unwillig, wenn einer nicht die Seele schonend sich Zusammengenommen, aber er muß doch; dem Gleich fehlet die Trauer.
H. Reutter sets stanza 1
M. Gielen sets stanza 1
O. Greif sets stanza 1
About the headline (FAQ)
View text with all available footnotesConfirmed with Poems of Friedrich Hölderlin: The Fire of the Gods Drives Us to Set Forth by Day and by Night, selected and translated by James Mitchell, San Francisco, Ithuriel's Spear, 2007, pages 94, 96.
Text Authorship:
- by Friedrich Hölderlin (1770 - 1843), "Mnemosyne", Third Version [author's text checked 1 time against a primary source]
Go to the general view
Researcher for this page: John Glenn Paton [Guest Editor]
This text was added to the website: 2009-02-08
Line count: 51
Word count: 275